16 F. 4. Da das Verſtaͤndniß der Literatur⸗Geſchichte einen nicht ganz unbedentenden Grad von Ausbildung, in Hinſicht der Lectuͤre beſonders, erfordert(den nöthigen Beweis will ich weiter unten in dieſem§. liefern), und da ſomit der zuſammenhangende Vortrag erſt in den oberſten Gymnaſial⸗Claſſen beginnen kann: ſo dürfen wir vor⸗ ausſetzen, daß nicht eine Sammlung literariſcher, ſprachlicher Notizen in hiſtoriſcher Reihenfolge, ſondern die Erzählung von den Fortſchritten unſeres Volkes in Literatur und Sprache, mit OHervorhebung der inneren und äußeren Rothwendigkeit der Folge, gegeben werde. Und damit iſt nur gefordert, was die Geſchichte überhaupt zu leiſten 4 hat, wenn man ſie, nach Polybius, pragmatiſch d. h. im edleren Sinne auffaßt und behandelt. Regierung, Religion, Betrieb des Volkes, Kriege der Fremden in unſe⸗ rem Lande(welch' Wunder, rufen auch wir aus, daß die deutſche Literatur und Sprache noch als ſo eigenthümlich daſteht!) Sitten und Gebräuche, Blüthen in der Literatur des Auslandes ſollen ſorgfältig in ihrem jedesmaligen Einwirken auf die Literatur und Sprache, betrachtet werden, nicht minder der Charakter der Schriftſteller, die perſönlichen Verhältniſſe und Umgebungen, die Gegend des deutſchen Landes, aus welcher ſie ſtammen, der Gang der Bildung und Erziehung, mit einem Worte, nicht minder das ganze Leben. Uber das Letzte muß ich hier ausführlicher ſprechen, da man, wenigſtens in den Schulbüchern über die Literatur⸗Geſchichte, anfängt, das Leben der Schriftſteller geringer zu achten, als recht und brav iſt. Wenn es ſchon die Dankbarkeit fordert, das Andenken der größten Schriftſteller unſeres deutſchen Volkes, wo ſich im Jugendunterrichte Gelegenheit findet, möglichſt zu erhalten: ſo macht es auch an und für ſich der Zweck der Literatur⸗Geſchichte nothwendig. Es iſt ja, wie geſagt, nicht die Rede von einem gemeinen Auffaſſen der literariſchen Erſcheinungen in unſerer Sprache, unter unſerem Volke; die Möglichkeit und Noth⸗ wendigkeit der Erſcheinungen ſoll vorgezeigt werden, und dazu dient eben ſo ſehr das Leben der Schriftſteller, wenn nicht bei weitem mehr, als dle ſonſtigen, äußeren Um⸗