anhang.
1) Thomas Stange, geb. zu Querfurt 1495 als Sohn armer Eltern, trat 1515 in das Kloſter Ilfeld, nachdem er„als ein armes Schülerlein den Schulen nachgezogen gen Halle und Erffurd, ſeine Grammaticam wol gelernet, aber die meiſte Zeit mit ſingen hat zubringen müſſen“. Als Mönch hielt er die Regel„gar ſteif und ernſtlichen“, ſo daß er, wie er ſelbſt einige Jahre vor ſeinem Tode erklärte, mehr als die Hälfte des Jahres faſtete. Es ſei ihm ſchwerer geworden, fügt er hinzu,„den Münch allerdinge auszuziehen und abzulegen, als zuvor ſeinen alten Adam unter die Cloſter Regel zu bringen“, und während das Kloſter anfing zu veröden, und„ſeiner Geſellen etliche die Kappen hinwarfen und Dorffpfarrherrn wurden“, konnte er nur mit Mühe von Andreas Marold, einem jungen Mönch des Kloſters, überredet wer⸗ den, Luther's Schriften zu leſen. Selbſt als er ſchon für die Reformation gewonnen war, hielt er die Ordensregel mit derſelben ängſtlichen Strenge wie vorher:„denn er gar ein enge Ge⸗ wiſſen gehabt und ſich gantz furchtſam gehütet, nicht ohne genungſam Gewiſſheit deſſelben etwas zu thun oder zu unterlaſſen, das in unrügig oder ime ſchwere Gedancken machen möchte“. Nach dem Tode des Abtes Bernhard von Mitſchefall im November 1544 wurde er unter Zuziehung des Probſtes von Quedlinburg Lampert Borſſe, da er und Andreas Marold die einzigen Conven⸗ tualen waren, zum Abte erwählt und dieſe Wahl vom Erzbiſchof von Mainz am 19. März 1545 beſtätigt.(Foerstemann Monum. IIf.§ 59 u. 60). Schon ums Jahr 1546(B. Nihusii Script. II. in Leuckfeld's Ant. IIf. p. 253) reformirte er das Kloſter und richtete auf den Rath Luther's, Melanchthon's und andrer hervorragender Männer, und mit Vorwiſſen der Grafen von Stolberg und Schwarzburg, in deren Gebiete die bedeutendſten Kloſtergüter lagen, eine Schule ein„nur für die armen Knaben, ſo mit ziemlichem Alter ihre Fundamenta in andern publicis scholis ziemlichen gefaſſet, und ſich nun ſchämen, weil ſie groß wären, weiter darinnen zu blei⸗ ben, damit ſie zu Ilefeldt weiter gebracht und daraus alsbald zu Emptern möchten gebracht oder auch in Academias möchten verſchicket werden. Iſt aber denſelben übel drinnen vorgeſtanden worden, und die erſten Praeceptores nachleſſigk geweſen, daß auch niemand Luſt gehabt ihre Kinder kegen Ilefeld zu thun, auch wenn mans gleich den leuten angebotten“.(Neander in e. handſchr. Bericht über Kloſter und Schule zu Ilfeld.) Erſt als im Sommer 1550 der damals 25jährige M. Neander die Leitung der Schule übernahm, blühte die Anſtalt raſch und fröhlich auf, ſo daß in dem alternden und kranken Abte mehr und mehr der Entſchluß ſich befeſtigte, nichts unverſucht zu laſſen, den Fortbeſtand der Schule auch nach ſeinem Tode zu ſichern.„Weil er ſahe“, ſo berichtet Neander am angeführten Orte,„daß die Knaben eilents begunten zu proſiciren, die Schule von Jedermann gepreiſet und allendhalben gerühmet, und alsdan in einem halben Jahre mehr denn zuvor in zweien die Knaben lerneten, als hatte er eine beſondre Luſt und Freude dran, weinet oft vor Freuden, wenn die Knaben abzogen auf Academias und zu Embtern in Schulen und ihm fein mit einem erudito carmine dancketen und fing nun an mit allem Fleiß zu dencken, wie die Schule, Haushalt und das Kloſter auch nach ſeinem Abſterben zu allen Zei⸗ ten mochte bleiben, ſein und ſtehen und auch nicht zurißen und in usus profanos mochte gewendet werden“. Wahrhaft rührend iſt der Eifer, mit dem der ſchwache Greis die Gefahren, die er der neuen Anſtalt drohen ſieht, abzuwenden ſucht, wie er namentlich die Grafen von Stolberg durch Bitten und Vorſtellungen jeder Art drängt, ſich durch eine feſte Erklärung zu verpflichten, die


