8
ſterben. Und ob wol eine Inquiſition geſchehen und der theter geſucht worden, hatte man doch gleichwol nichts gewiſſes erfharen können, aber er hatte es über jedermanns hoffen überwun⸗ den, und waren die Kuchen ihnen auf ein ander Zeit geben worden. Und nach dieſem wie Magister Dresserus der Rector neben ſeinen Collegis auf wege dachten, wie ſie gleichwol ihre Discipel zwüngen, das ſie nicht ſo mutwillig und unleidlich ſein müſten, und neue Leges ſchrieben und machten, auch etliche von den Discipulis verordneten, ſo da auf die Leges Acht geben ſolten und die Delinquentes aufzeichnen und den Praeceptoribus anzeigen ſolten, als ſindt ſie dadurch ſo beweget und erzürnet worden, das ſie al zugleich auf einer ſtunde auf ge⸗ weſen und davon mit geſamletem hauffen zugleich haben ziehen wollen, und haben die praecep- tores zu thun und zu halten ſat gehapt und ihnen zugeſagt, dieſelben neue Leges abzuſchaffen. Haben ſie auch dahin gezwungen, das ſie ſie haben abſchaffen müſſen: ſo übel ſindt zu zwingen junge leutte, mancherley Mutter Kinder, ſo in einem Ortt und Haus durchs Ihar bey einan⸗ der ſein und leben, wie in Cloſtern geſchehen muß. Den ſie Zwangk übel leiden künnen und daher den praeceptoribus ſpinnenfeindt werden, ſo ſie hart halten wollen, wie ſie den zu Meiſſen, eben wie M. Dresser Rector geweſen, M. Maenio von Torgau deſſenhalben ſeine Fenſter einen Winter mehr den Zehen mal ausgeworffen haben, und etliche scolastici auch zu Meiſſen auf den Herrn Fabritium ſelpſt, der doch ein beſcheidener freundlicher und glimpf⸗ licher Man, auf einen abendt vorm Cloſter, wie er von Tiſch in ſein haus, ſo außer dem Cloſter gelegen, gangen, mit bloſſen Wehren auf ihn gewartet, derer aber keinen geſehen, wie ſie auch ihn nicht geſehen, den ihn Gott die Augen geblendet, wie er es offt guten Herren und freun⸗ den hat pflegen zu recitiren, als ein wunder beſonder Exempel protection's stupendae et ad- mirandae Sanctorum Angelorum. Ich aber habe es von Ihm nicht gehöret, und kan Ihm wol nach der Zeit, da Ich bey ihm geweſen, wiederfharen ſein. Sunſten clagt er mir allerley, das ihm ſeine schola viel zu ſchaffen, auch weis alt und grau machte. Und was dieſe zwey Jar vor greuliche motus geweſen zu Helmſtadt, Wittenberg, Ihena, Marpurg und anderswor, iſt nicht heimlich, do man die praeceptores überlauffen, ihnen Maulſchellen geben, ſie geleſtert, geſchendet und gehohnet, werden drumb Herrn und Fürſten nicht mühde Academias zu halten, dieweil ſie ſehen, wie gleichwohl das meiſte theil feine leute werden, und das man Kirchen und regimendt ohne Schuelen und Academien nicht erhalten und beſtellen kan.
Es iſt dieſe tag ein feiner gelerter Man, ein professor aus eiuem berümpten Paeda- gogio bei mir geweſen, der meines rhats in Dingen gebraucht und darneben jemmerlich ge⸗ clagt, wie ſie ſo ungehaltene Discipel, die ſie nur müſſen thun laſſen was ſie wollen, wen ſie bey ihnen bleiben wollen. Gott wolle gnediglichen in dieſen böſen Zeitten die Jugendt regieren, damit er gelobet, von jederman gepreiſet und den Leutten auff Erden auff mancherley weyſe gedienet werde. Amen, Amen.
Wolle auch gnediglichen helffen, das die Propheceye des hochweyſen Senecae, ſo des Keyſers Neronis zu Rhom praeceptor geweſen, nicht war werde, da er von der Jugendt zu ſeiner Zeit propheceyet: qui nos sequentur meliores nos et modestiores fuisse docebunt. Wie dann dieſer Propheceye nach alle welt über die Jugendt klagt, praeceptores in ſchulen


