6
und Finkelthaus zu einer Zeit zu Ilfeldt ſtudirt hatte, eines armen Bütgers Sohn von He⸗ ringen*), das er ihnen den Magistrandis ein carmen gratulatorium ſchreiben ſolte und den im gefengnis geſteupten obiter mit zweyen Verſen perſtringiren und ihm dieſelbige castigatio- nem carnifieis vorwerffen ſolte, wie er den auch gethan in einem gedruckten Carmine. Aber die Academia hat ſich des in der Jugend geſteupten ſo hoch angenommen und geſtritten, ſey mehr zu loben, dan zu ſcheltten, das aus einem böſen buben gleichwol ein redlicher frommer gelehrter Mann geworden, und dahin geſchloſſen, das der Autor dieſes carminis ſolte aus Leipzig relegirt werden, vornemlichen dieweil er auch überdis für zweyen tagen zuvor dem famulo communi in collegio, loco priveligiato, ſein Loſamendt geſtürmet, hette auch müſſen relegirt werden, wen der alte Camerarius), ſo zur ſelben Zeit das Haupt der Univerſitet, der ihnen ſehr lieb ſeines ingenii und der Griechiſchen ſprach halben hatte, ſich ſeiner nicht mit großem vleiß angenommen hette und under andern auch dieſe wort gebraucht: was wolte man machen, Er der autor carminis wehr ein Poet, die Poeten theten nicht anders, man müſte dispenſiren und ſie beyde bey ehren behalten, anderem Schaden fürzukommen und nicht stricto Jure ſondern moderate handeln. Und zog darnach derſelbe Autor famosi carminis in Italiam, dorinnen er, dieweil er gute freunde und forderung dazu, lenger den Sex Ihar bleib, perluſtrirte daneben andere terras und iſt medicus ordinarius und professor Physices und Graecae linguae in einer vornehmen Stadt in Saxen, da er ein wolbeſtalt Paedagogium innen hat, war neulichen bey mir zu Ilefeldt, und da wir derſelben ſeiner Hendel gedachten, ſagt er: Man mus die be— Kinder drumb nicht all hinwerffen. Wie ich anch Neander ſtets die weiſe gehegt, ob ich wol delicta hart geſtrafft, verbis relegatione und carcere, ſo hab ichs doch gleichwol alzeit ſo gemachet, das es den Discipulis an ihrer Ehr, Namen und nutz nicht geſchadet, oder das ſie in studiis ſind verhindert oder gar darvon abgeſchreckt worden, ſondern ſie nach der ſtraff gleichwol geehret, gefodert, ihnen zu dinſten stipendiis und ſonſten wie ich gekönnet geholfen und es ſo temperirt, das ſie ein gut hertz und zuverſicht und freyen accessum zu mir, zu der ſchule nichts deſto weniger behalten und entlichen noch feine vernünff⸗ tige gelehrte leutte geworden ſein: semel insanimus omnes, ſagt der Poëta. Und ich ſelpſt, der ich doch von Jugend auff zu einem ſtillen eingezogenen leben von Natur luſt, und daher auf Academiis nie gassatum habe helffen gehen, niemandt ſeine fenſter, ſein Haus hab helffen ſtürmen, wie offt in Academiis und alzuofft geſchieht und geſchah vor etlichen vierzig Iharen bey leben des heiligen Mans Lutheri und Philippi“*) da doch viel große Furcht und vleis zu Wittenbergk, nicht für zween Pfennig werdt das erſte Ihar zu Wittenbergk ſtu⸗ dirt, und hette lieber feuer geſſen den ſtudirt, bis mir unſer Herrgott eilendts mein hertz wandte und mir ſolche luſt zum studiis machte, das Ich derſelben noch heut zu tage nicht ſatt
*) Am Rande: Georg. Coc. Hering. d. i. Georgias Cocus Heringensis bonarum artium Magister et Medieus in inclyta Northusa.— Neand. a. a. O. u. Volborth a. Neand. p. 80. **) Melanchthon.


