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Michael Neander's pädagogische Erfahrungen und Grundsätze, nach einer Handschrift der Ilfelder Klosterbibliothek / herausgegeben von Dr. R. Müller
Entstehung
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Schalck zu Ilfeld, aber ein herlich ſchön ingenium, ſopmit Rhodomanno ohn unterlas kempfte, zanckte und haderte, das ich zu ſcheiden ſatt zwiſchen ihnen hatte, den zweyen herlichen treflichen ingeniis, ſo iſt er dennoch durch meine, Neandri, forderunge ſo weit gekhommen, das er in ltalia Doetor Juris geworden, ſein graecam linguam ſo gewaltig ſtudiret, das er darinnen dem Rhodomanno faſt gleich, auch Romerum zu Gretz in Steyermarck und Jura im paedagogio daſelbſt profitirt, Eines Landherrn Tochter einig Kindt zum weybe bekommen und omnium Styriae procerum Cancellarius worden iſt, die ihn ſo ſtatlichen beſoldet, das wie er mir ſchreibt er von ihnen jherlichen zur beſoldung hab über die 140 thaler, ohne viel andere groſſe herliche donationes, und die beſten Ungeriſche, Welſche, Oeſterreichiſche Weine in ſeinem Keller hat, als kaum jemand ſeines gleichen in Steyermarck haben ſoll. Der preiſt und rhümet ſeinen praeceptorem Neandrum, die Schule Ilfeldt, unſere gnedige Herren von Stolbergk, ſo offt es die gelegenheit giebet, wie ſeine Lateiniſche und Graeca scripta zeugen.

Und deren ſind ſehr viel, ſo entlichen, wie er, feine und groſſe leute geworden, ſo bey guden Stipendiis in paedagogiis, in Ececlesia und Republica dienen, zu herlichen Digniteten, zu ſtadlichen freyheten ſtadlicher leute Kinder ſind gekommen. Wie eines armen Caplans Sohn*), ſo ſeine fundamenta medica, ſprachen und artes zu Ilfeldt gelernet, medicinae Doctor in Italia geworden, ſich zu Regensſpurgk niedergelaſſen, da ordinarius medicus gewor⸗ den und daſelpſt des allerreichſten Burgemeiſters Tochter einig Kindt zur Ehe bekommen, mit der er in die 40 tauſendt gülden erfreyet und daß ſchönſte und fürnemſte Haus, ſo in Regens⸗ purg, und darintten der Keyſer pfleget zu liegen, mit Ihr bekommen, ſo meinem Sohne Han⸗ ſens) alle ehr erzeiget, ihn auf das Schif nach Wien in Oeſterreich beleitet, Ihm alle ſeine herliche ſtatliche Silberwergk und Credenz gezeiget und mir bey meinem Sohn zum allerhöch⸗ ſten und der Schuel Ilfeldt gedancket und daneben geſaget, den ſchönſten gulden Becher under allen, ſo er ihm gezeiget, ſolte ich haben, ſo er mich in ſeinem Hauſe haben und ſehen möchte, und Ilfeldt vor die treue Inſtitution, und unſeren guedigen Herren vor die Ilfeldiſchen Elee- mosynas dancken und allen denen, ſo von Ilfeldt ſein oder nur ſagen, das ſie da ſtudirt, alle gute ehre und forderung erzeigen. 8

Vor zwantzig Jaren ungefher war ein scholasticus in einer vornemen Stadt, da es eine frequente Schulen, der hielt ſich bei ſeinem Herrn ſo übel, das er eingezogen und vom Henker im gefengnus mit Rutten geſteupet und darauf wieder losgeben ward, lies ihm dieſe Züchtigung eine warnung ſein, ward from, ſtudiret fleißig, und wie er zu Leipzig neben andern Competitoribus und Candidatis Magister werden ſolte, auch ſchon in examine beſtanden und zugelaßen, und für gnugſam und tüchtig erkennet ab Academia Lipsiensi, und etliche von ſei⸗ nen competitoribus und candidatis drunder, ſo was umb ſein juvenile peceatum wuſten, als bekommen ſie meiner einen Disc'pel, ſo daſſelbe mal zu Leipzig auch ſtudirte und Doctor Naevii ſeiner Söhne praeceptor und ein guter Graecus und Latinus poéëta war und mit Rhodomanno

*) Johannes Oberdorffer.(Bgl. Neand. a. a. O. p. 93 u. Kindervater Nordhusa illustr. p. 17)- Am Rande unſeres Manuſcripts ſteht von derſelben Hand geſchrieben: Joh. Oberd. E