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Michael Neander's pädagogische Erfahrungen und Grundsätze, nach einer Handschrift der Ilfelder Klosterbibliothek / herausgegeben von Dr. R. Müller
Entstehung
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Freundt, hatte underdes die Schule befholen zweyen feinen gelerten Discipulis und allerley gute exercitia in meinem abweſen verordnet. Wie das Fabritius hörete, das ich von der Schule wol ein Sex wochen würde auſſenbleiben, ſprach er mit Verwunderung: Euer Dis⸗ cipel müſſen frommer ſein denn unſere, denn wen wir nur acht tage ſolten von ihn ſein und ſie im Cloſter allein laſſen, ſo würden wir auff unſer wiederkunfft weder Cloſter noch Schul finden, ſondern würden alles in Hauffen geriſſen und umbgekeret haben, denn wen wir ſtets täglichen bey ihnen, ſo dürffen ſie doch zu Zeiten ein Purlament anrichten, das wir zu halten und zu ſcheiden ſadt haben und offt ſchir einen Landstag drüber halten müſſen.

Wie ich aber nach Ilfelt nach etlichen wochen wieder kam, fand ich die Schul wie für, und gab ihn mein ſeliger Herr, der Apt, dis Zeugnis, das ſie ſich ſtille, eingezogen und fleiſſig in omni officio gehalten hetten, und nicht ein menſch, der die geringſte Clage über einen Knaben gefhüret hette. Es war gleichwohl auch die Jugend daſſelbe mahl noch nicht ſo greu⸗ lich argk, wie ſie nun iſt, daß ſich das dictum Senecae auf die itzige Jugendt ſehr wol reu⸗ met, da er ſchreipt: Qui nos sequentur meliores nos et modestiores fuisse docebunt.

Es kan aber ſo gleich nicht zugehen, wo ſo mancherley Mutterkindt bei einander ſeien, da kein wunder, das zu Zeitten zween zuſammen uneins ſich zanken und ſchmeiſſen, und mus hir gebraucht werden die regula: nescit imperare qui nescit dissimulare. Man mus nicht allezeit alles ſehen und hören, wen eins bei dem andern bleiben ſol, und alzeit auf das ende ſchauen, das entlichen aus etlichen tollen jungen Geſellen mit der Zeit noch feine leut worden, ſo Schulen und Regimendt dienen.

M. Rhodomanus von Sarwerffen im Ampt Hohnſtein, eines armen Bauren und Beurin Sohn, alumnus scholae IIfeldensis, daraus er zu allem guten gefodert, ietzunder Rector Scholae Walcerodensis celebris*), der ſteiget über ein Zaun, wie er noch zu Ikfeld ein Knabe, wil einem andern folgen und bleibt hangen und ſtecken, zurreiſt ſeine virilia ſo jämer⸗ lich, das ſie zhoteten, und man zu kuhlen und ſickeln ſat an ihm hatte, und ich eilends einen reittenden bothen nach Northauſſen zu M. Johann Thale abfertigt), der do kam und zu rhaten hülffe: der hatte auch manche ſchalckheit helffen an und ausrichten und iſt doch gleich⸗ wol noch ſo ein man geworden, das man ſeiner begert in fürnemen Academien, und in dreyen fürnemen ſprachen, vornemlich aber in Latina und Graeca ſo gelehrt und erfharen, daß man achtet, wie auch die Itali von ihm rhümen, ſo doch die Deutſchen nicht gern loben und hoch⸗ achten, ſeines gleichen in condendo poëmate graeco in tota Europa nicht zu finden ſey, wie dis zeugen ſeine Argonautica, ſeine Troica, Thebaica, ſeine Ilias parva und ſeine Palaestina, ſeine Theologia Lutheri, ſo alle von Ihm Graeco Heroico ſo herlich geſchrieben, das auch wohl die alten Graeci, wen ſie wieder kemen, ſich drüber verwundern würden).

So auch Finkelthaus) eines armen Bütgerß Sohn zu Northauſſen, ob er wol ein böſer

*) Rhodomannus war Rector der Kloſterſchule Walkenried von 1584 91.

**) Neand. l. c. p. 92. Guolphangus Finkeltauss Nordhusanus, Professor juris et linguae Graecae in Schola Graeciensi Stiriae. Vgl. auch Kindervater Nordhusa illustr. p. 51, der ein Schreiben von ihm mittheilt, worin er ſich beim Magiſtrate von Nordhauſen für dieUnterſtützung bei ſeiner Promotion bedankt.