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worin er als Rector und Adminiſtrator des Kloſters anerkannt wurde. So reichlich und glän⸗ zend aber auch die Vortheile waren, die ihm darin von den Grafen zugeſtanden wurden, und ſo ſehr er ſich ſeiner nun geſicherten Lebensſtellung freuen mochte, die Tragweite ſeines Schrittes hat er ſchwerlich überſehen. Erſt der Druck der Abhängigkeit, der mit den Jahren ſich ſteigerte, belehrte ihn, daß er zu voreilig gehandelt habe.
Denn obgleich Neander in allen Stücken als an Abtes Statt anerkannt wurde, und ſich alſo auch in der unbeſchränkten Befugniß behauptete, unter ſeinem Namen und dem Abteiſiegel Lehn⸗ und Erbenzins⸗Briefe über die Stiftsgüter zu ertheilen,“*) ſo lag es doch in der Natur der Sache, daß er ſich nicht ſelbſt damit belehnen konnte. Getrieben aber von dem allerdings verzeihlichen Wunſche, ſeine Familie(er hatte ſich im Jahre 1562 verheirathet) auch nach ſei⸗ nem Tode vor Mangel zu ſchützen, und auch zugleich für die unendlichen Schwierigkeiten ſeines Amtes(denn bis wenige Jahre vor ſeinem Tode leitete er allein den Unterricht und die Er⸗ ziehung der Schüler und beſorgte allein die Verwaltung der zum Theil entlegenen Beſitzungen des Kloſters) ſich in etwas belohnt zu ſehen, wandte er ſich zu verſchiedenen Malen an die Grafen zu Stolberg mit der Bitte um Belehnung vou Kloſtergütern und gab dieſen hierdurch eine willkommene Gelegenheit, ihren Eiufluß auf die Angelegenheiten des Kloſters mehr und mehr auszudehnen. So macht ſich denn in den Lehnbriefen, die ihm auf ſein Anſuchen in den Jah⸗ ren 1560, 1584, 1590 und 1591 ausgeſtellt ſind, in dem Ausdruck und der Faſſung eine auf⸗ fallende Stufenfolge bemerklich, dergeſtalt, daß ſich die Grafen zuletzt die Competenz über Ilfeld ſo zuſprechen, als wäre das Verhältniß nie ein anderes geweſen, während doch weder die Grafen zu Hohnſtein, deren Vorfahren das Kloſter gegründet und dotirt hatten, noch auch die Stolbergiſchen Grafen ſelbſt, als ſie in den Beſitz der Grafſchaft gekommen waren, vor der Reformation irgend einen Anſpruch erhoben hatten, wodurch die Freiheit und das Selbſtver⸗ fügungsrecht des Kloſters im mindeſten beeinträchtigt wäre.**)
Das Gefühl der Abhängigkeit aber mußte für Neander um ſo drückender und peinlicher ſein, als ſich zugleich die Beſorgniß hinzugeſellte, daß bei den ſich ſtets verſchlechternden Ver⸗ mögensumſtänden der Grafen und den ſich ſtets ſteigernden Laſten, die in Folge deſſen dem Kloſter aufgebürdet wurden, der Fortbeſtand der Anſtalt mehr und mehr in Frage geſtellt wer⸗ den würde. Aus der Menge von Vorſtellungen und Beſchwerden an die Grafen, die ſich unter den hieſigen Acten befinden, ergiebt ſich deutlich, wie unendlich peinlich ſeine Lage war, andrer⸗ ſeits aber auch, wie bereitwillig er jedes Opfer brachte, ſofern dadurch das Wohl des Kloſters
*) Sie findet ſich noch gegenwärtig unter den hieſigen Acten. Vgl. auch Klippel a a. O. p. 132. **) Vgl. unten(Anh. 10) den Bericht Neander's, der auch deshalb intereſſant iſt, weil er in ähnlicher Weiſe eine Rechtfertigung ſeiner adminiſtrativen Wirkſamkeit iſt, wie unſere Schrift ſeiner pädagogiſchen.
**) Man ſ. in Förſtemanns Monum. Ilfeld. die Urkunden, die ſich auf Schenkungen und Abtretungen der Gra⸗ fen zu Hohnſtein an das Kloſter Ilfeld beziehen(§§. 11, 16, 19, 20, 21, 44). In keiner derſelben fin⸗ det ſich ein Ausdruck, der auf ein Patronatsrecht der Grafen in ſeiner modernen Bedeutung hinwieſe.— Uebrigens verdienen dieſe Verhältniſſe eine viel gründlichere und eingehendere Behandlung, als ſie bis jetzt gefunden haben.


