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aber die Eier der Seidenwürmer, welche die Mönche nach China brachten, ſtammten ſchwerlich aus China ſelbſt; denn die Seidenzucht, im Anfange des 5. Jahrhunderts durch eine nach Khotan— öſtlich vom Be⸗ lurdagh an der uralten Karawanenſtraße von China nach Mittelaſien— verheirathete chineſiſche Prinzeſſin dorthin verpflanzt, hatte ſich ſeitdem ſchnell über Mittelaſien verbreitet.
Seit der Gründung des arabiſchen Weltreichs mußte aber beſonders für die indiſchen Waaren eine Aen⸗ derung eintreten. Der Bezug derſelben über Aegypten wurde unterbrochen. Der Khalif Omar erbaute an dem vereinigten Euphrat und Tigris die Stadt Basra und lenkte den indiſchen Waarenzug über den perſiſchen Meerbuſen. Aegypten hat in dem Reiche der Khalifen nur mehr die Bedeutung eines Durchgangslandes zwiſchen Aſien und Afrika. So wird Konſtantinopel ſeine indiſchen Waaren auf dem Landwege vom Euphrat zum Pontus bezogen haben, namentlich über Trapezunt, das jetzt aufblüht. Auch die anderen Ueberlandwege von Centralaſien her werden nicht ganz außer Uebung gekommen ſein, bis ſie im 13. Jahrhundert durch die Venetianer wieder neu belebt wurden.
Der Verkehr mit dem übrigen Europa war bis in die Zeiten der Kreuzzüge, wenn auch ſtetig wachſend, doch nicht von bedeutendem Umfange. Der Verbrauch morgenländiſcher Luxusartikel war dort gering; die Griechen gingen in ihrer Scheu vor Berührungen mit den Barbaren und bei ihrer ſchon hervorgehobenen Paſſivität im Handel nicht darauf aus, jene mit neuen Bedürfniſſen bekannt zu machen, und überdies trennte auch kirchlicher Zwieſpalt ſie von dem römiſch⸗katholiſchen Weſten. So konnte der Zwiſchen⸗ und Ausfuhrhandel nicht be⸗ deutend ſein.
Aber abgeriſſen iſt die Verbindung mit dem Weſten nie, nachdem ſie durch die Eroberung Italiens unter Juſtinian auf einige Zeit wieder enger geknüpft war. Von außerordentlicher Wichtigkeit iſt hier das enge Verhältniß, in welchem ſeit der Gründung des Longobardenreichs die Griechen fortwährend mit den Bewohnern der venetiſchen Inſeln ſtanden. Dieſe Inſeln, von den Alpenflüſſen Venetiens an ihren Mündungen gebildet, wurden von einem abgehärteten, derben Geſchlechte bewohnt, das den Handelsſtädten Venetiens, Aauileja, Altinum, Padua, die Schiffer und Matroſen geliefert hatte. Der Hunnenſturm, die Kämpfe zwiſchen Griechen und Oſtgothen und ſchließlich der Einbruch der Longobarden hatten jene Städte zerſtört oder herabgebracht; aber die Bewohner der Inſeln, an weite Seefahrten gewöhnt, gaben den Verkehr nicht auf, vielmehr zogen ſie ihn vom Feſtlande, das in der Hand der Longobarden war, auf ihre Inſeln herüber. Dieſe geriethen nie in die Gewalt der Beherrſcher des Feſtlandes, da ſie ohne eine Seemacht, welche wohl die Venetier, nicht aber die germaniſchen Könige beſaßen, weder zu erobern noch zu behaupten waren. Hatten ſchon die Oſt⸗ gothen den Bewohnern Seevenetiens gegenüber nicht als Herren auftreten können, ſo vermochten die Longo⸗ barden und Franken es noch weniger. Denn ſeit den Zeiten des Exarchats Ravenna fanden dieſe Veneter, die als kräftige mit dem Meere vertraute Seeleute ſchätzbare Dienſte leiſten konnten, eifrige Beſchützer an den Griechen. Ja noch mehr; auch eine möglichſt wohlwollende Regierung übten die Byzantiner über dieſes See⸗ land aus, das zwiſchen zwei Mächten in der Mitte ſtehend jeden Augenblick ſich dem Gegner in die Arme werfen konnte. So erſtarkte das venetiſche Gemeinweſen auf den Inſeln; die byzantiniſchen Gebieter ſtiegen nach und nach zu der Stellung von Beſchützern, von Verbündeten, von Beſchützten— von Beherrſchten herab.— Schon im 8. Jahrhundert treten die Veneter als italiſche Seemacht auf, indem ſie den Longo⸗ barden Ravenna entreißen. Selbſt Karl der Große vermochte weder durch Gewalt, noch durch Ränke Herr der Inſeln zu werden. Nur Otto I. gelang es dieſelben thatſächlich unter ſeine Herrſchaft zu bringen, indem er den Dogen gewann und ihm zur Errichtung einer tyranniſchen Regierung behilflich war. Das Beſtreben der Dogen, ihrem Geſchlechte die erbliche Herrſchaft unter der Oberhoheit des abendländiſchen Kaiſers zu ſichern, ſtützte ſich auf eine Partei, die ihre Handelsvortheile zu den fränkiſchen oder deutſchen Kaiſern hinüber⸗


