Jahrgang 
1874
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des Südoſtens, unter denen beſonders Dioskurias und Phaſis dieſem Straßenzuge einen Theil ihrer Blüthe verdankten.

Für das griechiſche Mutterland war der Pontushandel von der allergrößten Bedeutung. Den griechiſchen Seeſtaaten mit ihrer ungemein dichten Bevölkerung von Handel⸗ und Gewerbtreibenden fehlte ein fruchtbares großes Hinterland; Erzeugniſſe des Ackerbaues und der Viehzucht hatte Griechenland, wenn man von Oel und Wein etwa abſieht, kaum in irgend nennenswerther Menge zur Ausfuhr oder zur Verarbeitung in ſeinen Fabriken; dagegen bedurfte es einer ſtarken Zufuhr an Lebensmitteln. Alles dies lieferte der Pontus in reicher Menge. Dabei mußte der Handel mit den pontiſchen Barbaren, namentlich der Weſt⸗, Nord⸗ und Oſtküſte außerordentlich gewinnbringend ſein, da für die letzteren die Arbeit des griechiſchen Handwerks ſehr werthvoll, mit der Zeit immer mehr unentbehrlich und der Martkt, den die griechiſchen Fabrikate unter ihnen fanden, ein faſt unermeßlicher war. So iſt es erklärlich, daß die griechiſchen Städte, wenn ſie der Lüſternheit der Bar⸗ baren zum Opfer fallen, doch wieder von neuem erſtehen. Die Barbaren ſelbſt konnten eben nicht ohne die Griechen fertig werden. So lebte Olbia, etwa 50 Jahr vor Chr. von den Geten ſo ausgeplündert und ver⸗ heert, daß es gänzlich verlaſſen wurde, doch bald wieder auf, wenn auch nur als ſchwächliches Abbild ſeiner früheren Größe. Denn die nämlichen Barbaren, die es geplündert hatten, bedurften nothwendig eines Handels⸗ platzes, und zwar eines ſolchen, wie nur die Griechen ihnen bieten konnten.

Daher giebt denn nicht nur die Beſitzergreifung des Pontus dem griechiſchen Handel einen außerordent⸗ lichen Aufſchwung, ſondern wir ſehen auch alle die griechiſchen Staaten, die der Reihe nach die Suprematie im Handel und zur See haben, großes Gewicht auf den Verkehr mit dem Pontus legen. So die Mileſier und Megarenſer, die ihn koloniſiren, ſo die Athener, die an ſeiner Pforte, dem Bosporus, ſorgfältig Wache halten, ſo Rhodus, das einen Krieg gegen Byzanz führt, als dies einen Sundzoll im Bosporus zu erheben anfängt. Als aber der Handel Griechenlands ſinkt, da treten manche der Pontusſtädte erſt recht bedeutend hervor, namentlich Byzanz und Kyzikos. Die Handelsverbindungen des letzteren erſtreckten ſich in der römiſchen Kaiſerzeit vom äußerſten Ende des Schwarzen Meeres bis zu den Säulen des Herkules. Auch die Städte am Pontus ſelbſt behaupten in dieſer Zeit immer noch eine große Bedeutung, ſo daß z. B. in Dioskurias die Römer für ihre Geſchäfte hundert und dreißig Dolmetſcher nöthig hatten. So viele Völker verſchiedener Zungen verkehrten dort..

Aber mit der Blüthe des Handels und der Gewerbe ging es während der römiſchen Weltherrſchaft immer mehr abwärts und daher natürlich auch mit dem Handel des Schwarzen Meeres. Schon ehe die Römer die Weltherrſchaft antraten, hatte der Handel des Mittelmeeres ſeine höchſte Blüthe hinter ſich. Eine eigentliche Handelspolitik, wie ſie die Phönizier und Karthager, auch wohl die griechiſchen Republiken und die erſten Pto⸗ lemäer ausübten, hört mit dem Untergange Karthagos für die alte Welt faſt ganz auf; denn die Römer waren nie Kaufleute im höheren Sinne. Eine friedliche Herrſchaft durch Handelsbeziehungen etwa im Sinne der fleißig ſchaffenden Phönizier, deren Kaufleute in ihrer Weiſe auch Fürſten waren, iſt für die Römer etwas durchaus Unverſtändliches. Wollte man auch Aeußerungen wie die Ciceros, daß alle Handwerker ein niedriges Gewerbe treiben, daß der Kleinhandel eine verächtliche Beſchäftigung ſei und eigentlich nur auf Betrug gegründet, der Großhandel dagegen keinen ſtrengen Tadel verdiene, wollte man auch dieſe Aeußerungen nur als Ausfluß junkerhafter Anſichten gelten laſſen, ſo könnte man doch nie in Abrede ſtellen, daß die Art und Weiſe, wie ſich die Römer zu Handel und Gewerbe verhielten, den Cicero zu ſolcher Auffaſſung ſeinen Landsleuten gegenüber durchaus berechtigten. Die Wirkſamkeit ſeines Volkes in induſtrieller, handelspolitiſcher und nationalökonomiſcher Hinſicht beweiſt dies mit entſetzlicher Klarheit. Sie ließen allenfalls andere Völker ſich durch Handel und Induſtrie bereichern, um ſie alsdann mit roher Gewalt der Früchte ihrer Anſtrengungen