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geweſen ſein. Denn einmal ſchildert Herodot dieſe äußerſten Völker als Jäger, und zum andern würden dieſe Produkte die Koſten eines ſo weiten Transports nicht haben tragen können. Offenbar war es namentlich Pelzwerk, was man aus jenen Gegenden holte, das leicht zu transportiren und koſtbar genug iſt, um ſo weite Reiſen zu verlohnen. Die noch weiter, vielleicht über den Ural nach Aſien führenden mit Fabeln gemiſchten Berichte von den Arimaspen und goldhütenden Greifen ſowie die beſtimntte Angabe— 3,116—, daß ſich nach dem Norden von Europa zu— wobei wohl an das nördliche Aſien mit zu denken iſt— das meiſte Gold finde, laſſen wohl keinen Zweifel, daß auch Gold unter den Waaren ſich befand, welche die pon⸗ tiſchen Griechen von ihren weiten Handelsreiſen ins nördliche Europa zurückbrachten. Ob dies aus dem Ural, oder aus dem Altai, oder aus beiden kam, müſſen wir dahingeſtellt ſein laſſen.— Dieſer weitreichende Handel machte Tanais zu einer ſo bedeutenden Stadt, daß es ſich nicht ſelten gegen die bosporaniſchen Fürſten, deren Reiche es mit Pantikapäon, Phanagoria und Theodoſia angehörte, ſelbſt in den Zeiten ihrer beſten Kraft zur Wehr ſetzte.— Die Hauptſtadt dieſes Fürſtenthums, Pantikapäon, betrieb mehr die Ausfuhr der aus dem Hinterlande kommenden Produkte, während das gegenüberliegende Phanagoria ſich mit der Einfuhr der über den Pontus herangeführten Waaren— Wein, Oel, Fabrikate— befaßte. Auf dieſem Handel ſowie aus dem Kornſegen der öſtlichen Gebiete der Krim beruhte die Blüthe des bosporaniſchen Fürſtenthums, deſſen Städte es verdienen unter den hell leuchtenden Sternen des helleniſchen Städtehimmels genannt zu werden, wenngleich ihre Kultur keine rein helleniſche war. Das bosporaniſche Reich behauptete ſich, wenn auch in den letzten Jahrhunderten unter römiſcher Oberhoheit, bis ins 4. Jahrhundert nach Chriſtus, und erſt die Stürme der Völkerwanderung machten ihm und ſeinen Städten ein Ende.
So bleiben noch die Hellenenſtädte an der öſtlichen Hälfte der aſiatiſchen Seite über. Die bedeutendſten ſind Sinope, Amiſos, Trapezunt— dies erſt in ſpäterer Zeit— Phaſis und Dioskurias. Auch ſie unter⸗ hielten einen ſehr bedeutenden, reichen Gewinn bringenden Verkehr mit den zahlreichen Stämmen der näheren Nachbarſchaft, deſſen Hauptartikel wir oben ſchon aufgeführt haben; aber mehr intereſſirt uns ihr Handel nach Indien hin. Wenn man nun auch annehmen muß, daß zu allen Zeiten Waaren aus Indien ſowohl über den Handelscentralpunkt Baktrien als auch auf den vom Euphrat und von der uralten Handelsſtation Täbris durch Armenien führenden Straßen an den Pontus gelangten, ſo iſt doch ebenſo entſchieden feſtzuhalten, daß man in Griechenland ſeinen Bedarf an indiſchen Erzeugniſſen ebenſo wie den vielgebrauchten Weihrauch von den Phöniziern bezog, daß ferner nach Alexandriens Gründung die Straße des Rothen Meeres, von der bis dahin die Phönikier den indiſchen Waarenzug abgelenkt hatten, in Kraft trat. Sicherlich nicht ohne Rückſicht auf die beabſichtigte Gründung der Stadt, die ſeinen Namen tragen ſollte, hatte Alexander ſo viel Zeit auf die Ver⸗ nichtung von Tyrus verwendet. Aber die Eroberungen Alexanders hatten zugleich den pontiſchen Griechen das Innere Aſiens im vollſten Maße erſchloſſen. Lange Zeit nach Alexanders Tode zog ſich eine ununterbrochene Reihe griechiſcher Fürſtenthümer über Centralaſien bis in die Nähe des Indus. An dem Tigris erhob ſich eine Nachfolgerin des alternden Babylon, Seleukia, zugleich eine Rivalin des neu gegründeten Alexandrien im Welthandel und bald ein großer Markt für den Handel zwiſchen Süden und Norden. Von dort aus ging eine Straße nach dem pontiſchen Komana am Iris und auf dieſem hinab nach Amiſos am Schwarzen Meere, von welcher Stadt Sinope jetzt überflügelt wurde; eine zweite Straße führte durch Armenien an den Pontus. Aber die Macht des Seleukidenreiches ſank raſch. Kaum ein halbes Jahrhundert war Seleukia der Punkt, über den Herrſchermacht den indiſchen Waarenzug zwängte, als ſich im Oſten, in Baktrien, die Macht der Parther erhob und einen großen Theil des indiſchen Verkehrs durch die Keyberpäſſe auf die alte baktriſche Straße lenkte, von der die Waaren den Oxus hinab durch das Kaspiſche Meer und weiter auf dem Kur und Phaſis im alten Kolcherlande an das Schwarze Meer gelangten. Hier vertheilten ſie ſich über die Städte


