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Ebene brachten Maſſen von Sklaven nach den griechiſchen Handelsſtädten am Schwarzen Meere zum Verkauf. Als Hauptſtapelplatz dieſer ſarmatiſchen Sklaven wird Tanais genannt; für den pontiſchen Sklavenhandel über⸗ haupt aber war Byzanz der bedeutendſte Markt.
Im Mittelalter holte man Sklaven aus dem Pontus beſonders um Leibwachen und Heere daraus zu bilden, und der Handel mit denſelben war in den Händen der Genueſen und Venetianer. Letzere trieben überhaupt einen ſehr umfangreichen Sklavenhandel. Die deutſchen Kaufleute führten ihnen Sklaven über die Alpen zu; die Päpſte traten ihnen entgegen bei der Abhaltung von Sklavenmärkten in Rom; in Venedig ſelbſt erwirkt die Kirche wiederholt Verbote des Sklavenhandels; den Khalifen von Kordova liefern ſie das Material zu ihrer aus mehreren tauſend Mann beſtehenden ungariſchen Leibwache u. ſ. w. Aus dem Schwarzen Meere holten ſie und die Genueſen vorzugsweiſe Georgier und Tſcherkeſſen, welche ſie nach Aegypten brachten. Dieſe wurden in das Mammelukencorps, die Stütze der Sultane von Aegypten, vor denen im 13. und 14. Jahr⸗ hundert das Abendland zitterte wie ſpäter vor den Türken, eingereiht und daſſelbe ſtets durch neue Zufuhren verjüngt. Ausfuhrhafen war Kaffa, das alſo im Sklavenhandel des Mittelalters eine ähnliche Stellung ein⸗ nimmt wie das nahegelegene Tanais im Alterthum. Trotz aller Verbote von Seiten der Kirche blieb dieſer Handel beſtehen; ja die oft wiederholten Verbote beweiſen gerade ſeine umfangreiche Exiſtenz. Er hört erſt auf, als die Osmanen im 15. Jahrhundert immer weiter vordringen und durch die Gründung des Janitſcharen⸗ corps als Mitbewerber der Mammeluken auftreten. Dies Aufhören zeigt aber wieder recht deutlich ſeine Wichtigkeit: es iſt einer der Gründe des Verfalls der Mammelukenherrſchaft.
Der Pontus führte endlich auch das koſtbare Produkt des hohen Nordens in den Weltverkehr, das Pelz⸗ werk. Die großen Ströme der ſarmatiſchen Tiefebene, die in den Pontus münden und eine faſt ununter⸗ brochene Waſſerverbindung bis an das nördliche Meer herſtellen, ließen dieſen vielbegehrten Artikel frühzeitig an den Pontus gelangen. Hauptſtapelplätze für denſelben waren in der griechiſchen Zeit wie im Mittealter die Städte an dem mäotiſchen See. Der Don führte von hier leicht zur Wolga, dieſe vermittels der Kama weit hinauf in die Gegenden des Ural und Sibiriens und an die Nordküſten von Europa, die Heimath von Füchſen, Mardern, Hermelinen, Zobeln u. ſ. w., deren Pelzwerk bei den alten nordiſchen Völkern als Werth⸗ meſſer galt wie bei den Jägernomaden Sibiriens der Zobel noch heutigen Tages.
Die von Nordweſten her in das Schwarze Meer mündenden Flüſſe dagegen führten den Bernſtein früh in den Weltverkehr. Auf zwei Straßen gelangte er an das Mittelmeer; die eine führte durch die mähriſche Pforte zwiſchen Sudeten und Karpaten zur March und weiter durch die Oſtalpen zum adriatiſchen Meere; die andere zum Dnjepr hinüber und ans Schwarze Meer. Die letztere iſt ohne Zweifel die ältere; an ihrer Mündung nahmen ihn wohl ſchon die Phönizier in Empfang.
Die eben geſchilderten Verhältniſſe ſicherten dem Schwarzen Meere unter allen Umſtänden einen Antheil am Welthandel, bis die Türken alles Leben auf ihm erſtickten. Aber je nach den politiſchen Verhältniſſen, die im weſtlichen Aſien und am Mittelmeere herrſchen, iſt ſeine Bedeutung eine größere oder geringere. Dies wird ein hiſtoriſcher Ueberblick ergeben.
Der Pontus war ſchon in vorhiſtoriſcher Zeit von Seefahrern belebt. Die älteſten Schiffe, die er, ſo weit wir wiſſen, getragen hat, waren phöniziſche. Näheres über den Verkehr dieſes Volks auf dem Schwarzen Meere iſt nicht bekannt; doch kann man annehmen, daß es den Reichthum ſeiner Uferländer an Produkten in umfaſſendem Maaße ausgebeutet hat. Indiſche Waaren freilich haben die Phönizier ſchwerlich über den Pon⸗ tus bezogen, da ſie dieſelben auf viel kürzerem Wege durch den Zwiſchenhandel der Araber oder aus den Län⸗ dern am Euphrat erhalten konnten. Wohl aber mögen ſie aus Baktrien die Waaren Centralaſiens nebſt den
chineſiſchen, auf der oben erwähnten Straße durch die Gobi herangeführten, bezogen haben. Die hohe Kultur 2


