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von Bithynien bis nach Sinope wegen ihres Reichthums an Wäldern gerühmt wird, ſondern auch aus den ſarmatiſchen Ebenen. Hauptausfuhrhafen war in griechiſcher Zeit Pantikapäon. Aus ebendenſelben erhielt man auch die ſonſtigen Materialien zum Schiffsbau, namentlich Theer, Pech und Hanf, für welche Rußland ſtets ein wichtiges Erzeugungsland geweſen iſt. Flachs, der aber wie der Hanf auch aus den Ländern im Oſten des Pontus ausgeführt wurde, kam gleichfalls aus Rußland. Unerſchöpflich war ferner der Reichthum dieſes Landes an Erzeugniſſen der Viehzucht, an Talg, rohen Häuten, Schaafwolle und Schlachtvieh, welche die heerdenreichen Nomaden der weiten Ebenen Südrußlands in den Handel brachten und die noch heute eine Hauptausfuhr für Odeſſa bilden.
Die wichtigſten Handelsartikel des Pontus aber waren wohl Korn, Fiſche und Sklaven. An Korn— Weizen— war ſchon die Südküſte reich; weit mehr aber lieferte die im Alterthum wegen ihrer außerordent⸗ lichen Fruchtbarkeit geprieſene Krim— namentlich die kleine Halbinſel derſelben zwiſchen dem alten Theodoſia und Pantikapäon— und die inneren Gegenden Rußlands, in denen ſchon ſehr früh Getreide zum Zwecke der Ausfuhr gebaut wurde. Auf den Flüſſen, namentlich auf dem Dnjepr, wurde es an das Meer geführt. Dieſer Zweig des Pontushandels gewinnt auch jetzt wieder immer mehr an Wichtigkeit, und wie im Alterthum die Athener, ſo waren im Mittelalter die Venetianer zu Zeiten auf das pontiſche Getreide vornehmlich an⸗ gewieſen, nicht nur für ihren Kornhandel, ſondern auch für ihren eigenen Bedarf, in dem Maße, daß, als die Genueſen die Venetianer aus Konſtantinopel verdrängten, dies in Venedig eine mehrere Jahre an⸗ dauernde Theurung hervorrief. Erſt allmählich konnten ſie dieſen Ausfall durch Eröffnung anderer Bezugs⸗ quellen erſetzen.
Dem Fiſchfange verdankten manche der griechiſchen Städte am Pontus einen großen Theil ihres Reich⸗ thums, vornehmlich dem Fange des Thunfiſches. Aus dem Atlantiſchen Ocean durch die Meerenge von Gi⸗ braltar kommend zogen die zahlreichſten Maſſen durch den Hellespont und Bosporus in das Schwarze Meer. Hier laichten ſie und erſchienen genügend herangewachſen an der aſiatiſchen Küſte des Pontus, um wieder nach dem Mittelmeere zu ziehen. Je nach ihrer Lage hatten die Städte einen größeren oder geringeren Antheil am Fange, den reichſten Sinope, und vor allem Byzanz, in deſſen Hafen die Strömung des Bosporus ſolche Maſſen hineintrieb, daß der Fang derſelben Byzanz trotz der ſchwerſten Unglücksfälle immer wieder auf⸗ blühen ließ.
Außer an Thunfiſchen war der Pontus auch noch an anderen Fiſchen reich, namentlich an Stören und Barben, und mannigfach zubereitet kam die Ausbeute des Fanges in den Handel. Die Thunfiſche wurden zum größten Theil eingeſalzen, und zwar mit Seeſalz, das viele der pontiſchen Städte ſelber gewannen. So bildeten ſie eine häufige Nahrung für die große Maſſe der Bevölkerung in Griechenland und hatten ſowohl als Nahrungsmittel wie als Handelsartikel eine ähnliche Bedeutung wie ſeiner Zeit der Häring für die Hol⸗ länder. Daneben lieferte das Schwarze Meer aber auch Delikateſſen von Fiſchen, die von den Feinſchmeckern des Alterthums ſo außerordentlich geſucht waren. Kaviar war ſchon damals ein häufiger Ausfuhrartikel des Pontus und ſelbſt für die raffinirte Gaſtronomie der Römer lieferte der Pontus Fiſche.
Die Sklaven des Pontus endlich ſpielen nicht nur in der Handelsgeſchichte, ſondern auch in der politiſchen eine Rolle. Wenn man bedenkt, daß die Sklaven für die wirthſchaftlichen Verhältniſſe des Alterthums ganz unentbehrlich waren und daß die Zahl derſelben eine außerordentliche Höhe erreichte, ſo daß z. B. auf der Inſel Delos im 1. Jahrhundert vor Chr. an einem Tage leicht 10,000 Sklaven verhandelt wurden, ſo ergiebt ſich, ein wie umfangreiches Geſchäft der Sklavenhandel in jener Zeit war. Die Griechen aber wenigſtens bekamen die ſtärkſte Zufuhr von Sklaven aus dem Pontus, deſſen kräftige Barbaren ſehr geſucht waren. Thrakien lieferte ganze Schaaren, dann Bithynien, Paphlagonien, Kappadokien. Auch die Nomaden der ſarmatiſchen


