4
Dennoch iſt auch der zweite jener Spalte, der des perſiſchen Golfs, von außerordentlicher Bedeutung. Von ſeinen Küſten führten verſchiedene Wege zum Mittelmeere.
Der eine ging von dem alten Gerrha an der Weſtküſte durch die Wüſte nach dem alten Petra und von da weiter zur ſyriſchen Küſte. Der andere zog in der Senke des Euphrat und Tigris aufwärts und ſeine Verzweigungen endeten theils gleichfalls an der ſyriſchen Küſte, welcher der Euphrat auf 28 Meilen nahe kommt, theils an der des ägeiſchen Meeres, theils, Armenien durchſchneidend, an der Südküſte des Pontus.
Auch dieſer über den perſiſchen Golf gehenden Straße und ihren Verzweigungen kommen noch in hohem Grade die Erleichterungen zu gute, welche das Waſſer dem Verkehr bietet, weit mehr als einem dritten Straßenſyſtem, das die Waaren durch Centralaſien an den Pontus führte.
Von der Malabarküſte, gewiſſermaßen der weſtlichſten Station Indiens, auf der die Waaren der ver⸗ ſchiedenen unter dieſem Namen begriffenen Länder zuſammenfloſſen, wurden dieſelben zunächſt an die Mündung des Indus gebracht, dann dieſen Strom aufwärts geſchafft bis an die Mündung des Kabul in den Indus. Ihren weiteren Weg nahmen ſie an dem Kabul aufwärts durch die Keyberpäſſe nach dem jetzigen Kabul, deſſen Name, Niederlage der Waaren, die Wichtigkeit dieſes Platzes für den Handel beweiſt.
Von Kabul an tritt eine Verzweigung ein. Eine Straße führt weſtlich, durch Iran, und trifft in Meſo⸗ potamien mit den oben erwähnten vom perſiſchen Golf herkommenden zuſammen. Eine andere überſteigt unter den größten Beſchwerden das Alpengebirge des Hindukuh und gelangt dann, zum Theil den Waſſerweg eines Fluſſes benutzend, nach Balkh, dem alten Baktra.
Hier theilte ſich der Waarenzug aufs neue. Einmal ging er auf dem Oxus hinab geradeswegs ins Kas⸗ piſche Meer, in welches dieſer Strom damals mündete. Seiner Mündung gegenüber befand ſich die des Kur, auf dem die Waaren ſo weit aufwärts geſchifft werden konnten, daß ſie nur das ſchmale den Kaukaſus mit Armenien verbindende Gebirge zu überſchreiten hatten um an den Phaſis und dieſen abwärts ans Schwarze Meer zu gelangen. Oder ſie gingen von der Mündung des Oxus zur Wolga hinüber, dieſe aufwärts bis zu dem heutigen Sarepta, überſchritten die ſchmale Landſtrecke bis zum Don, der an dieſer Stelle nur etwa 10 Meilen von der Wolga entfernt iſt, und kamen auf dem Don ans Schwarze Meer.
Die andere von Baktra auslaufende Straße war ganz Karawanenſtraße. Sie zog zunächſt mehr nord⸗ wärts durch die Steppe an die Mündung der Wolga und von dieſer zu der des Don.
Auf dieſen Straßenſyſtemen, über die wir nur einen allgemeinen Ueberblick gegeben haben, bewegte ſich bis zu der Entdeckung des Seeweges nach Oſtindien der Verkehr zwiſchen Orient und Occident, d. h. der Welthandel des Alterthums und des Mittelalters. Er wurde hervorgerufen durch das Verlangen des Occidents nach den Erzeugniſſen Indiens; aber mit den Waaren brachte er auch wichtige bis dahin unbekannte Kul⸗ turen nach Europa und tauſchte die Ideen des Oſtens und Weſtens aus. Denn„an den Frachten des Kauf⸗ manns haftet ein Hauch imponderabeler Subſtanzen, die höchſten und idealſten Güter denkender Weſen.“ Seit jene alten Handelsſtraßen verödeten, ſanken auch die von ihnen berührten und beglückten Völker zur Unbedeu⸗ tendheit oder gar zur Barbarei herab; anderen Ländern, anderen Geſtaden leuchtete die Sonne des Glücks, zunächſt nur denen, welche an den neu aufkommenden Verkehrswegen lagen, bis ſich in den letzten Menſchen⸗ altern der Welthandel, der auch bis dahin der Hauptſache nach immer noch ein Verkehr zwiſchen Indien und Europa geweſen war, zu einem Welthandel im eigentlichen Sinne des Worts, d. h. zu einem die ganze Erde in ſeinen Bereich ziehenden Verkehr der Völker entwickelte. Eine Menge Faktoren im Leben der Völker haben dies zu Wege gebracht; einer der wichtigſten iſt, daß eine große Zahl und nicht die am wenigſten begehrten der Produkte Indiens heutzutage auch in vielen anderen Ländern gewonnen werden.
Betrachten wir bloß die Länge jener Verkehrswege und die größeren oder geringeren Schwierigkeiten,


