31
B. Besonderes.
Am 21. October traten wir das neue Schuljahr mit 92 Schülern an, unter welchen 60 Alumnen.
An demselben Tage ward die Todtenfeier fürlden am 7. Octbr. 1836, dem Einweihungstage des Pädagogiums aufgenommenen, am 6. April 1838 abgegangenen und am 7. October 1839, während hier der Stiftungstag mit einem Redeactus feierlich begangen wurde, verstorbenen Moritz Dudy aus Dargezyn mit der Abendan- dacht verbunden. Der Director erneuerte das Andenken dieses bei Lehrern und Mitschülern wohlgelittenen lieben Zöglings durch ein treues Bild des Verstorbenen, welches er in einfachen Worten der Versammlung vorhielt. Hierauf folgte die jener Stunde angemessene religiöse Betrachtung des Religionslehrers und Pre- digers Bresina. Choral und vierstimmiger Trauergesang bildeten Anfang und Ende der Schulfeier(„Jesus meine Zuversicht“ und„Wie sie so sanft ruhn.“ comp. v. Neefe.)
Gegen Ende Octobers ging der Candidat Hegebarth von Putbus ab. Derselbe! hatte seit einem Jahre mit Erlaubniss der Königlichen Behörden und des Directors einzelne Lectionen am Pädagogium unentgeld- lich geßeben um sich auf diesem Wege die Zulassung zum Oberlehrerexamen, welche ihm als Ausländer nicht unbedingt gewährt werden konnte, zu verschaffen. Er war keineswegs, was das Gerücht aus ihm machte, und wogegen zu protestiren ich Veranlassung habe, angestellter Lehrer des Pädagogiums.
Da der Director gern jede Gelegenheit benutzt, um religiöse und patriotische Gesinnungen in den Gemüthern zu wecken und zu nähren, so ward am ersten Novbr. ein feierlicher Redeactus zur Erinnerung an die vor 300 Jahren in der Churmark Brandenburg begründete Kirchenreformation gehalten. Vor der versammelten Schule und einem zahlreichen Kreise von Zuhörern, welchen auch Se. Durchlaucht der Fürst zu Putbus und viele andere Gönner und Gönnerinnen des Pädagogiums mit Ihrer Gegenwart beehrten, redeten der Hauptlehrer in der Geschichte Adjunct Müller und der Religionslehrer Prediger Bresina, er- sterer über die Bedeutung der Reformation überhaupt und insbesondere für die Mark Brandenburg, letzte- rer üher die Frage:„Wann ist unsere Schule eine wahrhaft evangelische zu nennen?“ Anfang und Schluss der Peier bildete wie gewöhnlich vierstimmiger Chorgesang unter der Leitung des Musiklehrers Müller. (Chor v. Fr. Schneider. und„Eine feste Burg ist unser Gott.“—)
Den 19. und 20. Decbr. Privatexamen aller Klassen im Auditorio. Hierauf Censur und Entlassung der Schüler in die Weihnachtsferien. Sonnabends den 21. früh reisten die Alumnen bei strenger stürmisch kal- ter Witterung ab, nur 8 blieben zurück, welche den heiligen Abend in dem Familienkreise des Directors oder ihrer Tutoren feierten. 84
Den 5. Januar nahmen die Lectionen wieder ihren Anfang.
Den 25. März erkrankte der Alumnus A. v. Borries an den Menschenblattern, den sogenannten Vario- loiden. Die Krankheit war zum Glück sehr gutartig, und durch sofort eingetretene strenge Absonderung, so wie durch die unermüdlich treue Sorgfalt unseres Hausarztes ward jedes Weiterumsichgreifen derselben verhindert.*)
Sonnabends den II. April Privatexamen der 3 oberen Klassen im Auditorio. Montags den 13. Fort- setzung der Prüfung in den untern Klassen. Nachmittags Censur und Entlassung in die Osterferien. Dreizehn Alumnen blieben in der Anstalt zurück.**)
Montag den 27. April Anfang der Lectionen. Die Hausordnung des Sommersemesters trat ein.
*) Ich erfäülle eine sehr angenehme Pflicht, indem ich Herrn Dr. Benedix hiermit im Namen der ganzen Anstalt meinen aufrichtigsten Dank ausspreche. Derselbe hatte nicht allein im Frühlinge 1839 fast alle Schüler revaccinirt(S. vorjäh. Progr. p. 20.), sondern impfte auch Anfangs April die Michaelis Neuaufge- nommenen(A. v. Borries Hehörte zu diesen), so wie alle Uebrigen, bei Welehen irgend Bedenlklichkeiten obwalteten. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, dass auf den Impfüngsscheinen der neurecipirten Schüler in der 2* die Zeit der Revaccination nicht angegeben ist.
**) Unter den abgegangenen Zöglingen hatte der Alumnus Gustav von Bardeleben aus Massow in Pommern von Einzelnen seiner Lehrer nicht Abschied genommen, und der Halbpensionair Gustav Oerth- ling aus Kowaltz im Mecklenburgischen verliess, nachdem er während der letzten 3 Tage ohne alle Ent- di,ung Rlasse, Privatexamen und Censur versäumt hatte, die Anstalt, ohne von dem Director Ab-
ied zu nehmen.


