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Anfang Mai schied der eben so geschickte als gewandte und umsichtige Lehrer der Gymnastik, der Kassenrendant Gierow aus der Verbindung mit dem Pädagogium, indem er zum Gouvernements- und Kan- zellariatssecretair ernannt ward. Seine amtlichen Functionen wurden einstweilen sämmtlich dem bisherigen Zeichnenlehrer J. Kuhn höhern Ortes übertragen.
Am 24. Mai Confirmation von 18 Zöglingen, welche auch zum ersten Male das heil. Abendmahl genos- sen. Mehrere Eltern und Geschwister waren bei der feierlichen Weihe ihrer Angehörigen in der Schlosska- pelle zugegen.
Den 31. Mai Abends 5 Uhr Redeactus im Auditorio zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Thronbesteigung Friedrichs des Grossen. Vor einer zahlreichen Versammlung vieler dem Pädagogium be- freundceier Herren und Damen(unser hochverehrtes Fürstenpaar war verreist), so wie aller Lehrer und Schüler schilderte der Director in einer Festrede den Einfluss Friedrichs auf das ganze geistige Leben seines Zeitalters. Hierauf hielten einige Schüler der beiden obern Klassen von ihnen selbst ausgearbeitete Reden. Der Primaner H. von Plessen entwickelte in lateinischer Sprache das Thema: Regis gloria popu- lus, populi rex gloriatur. Der Primaner G. von Arnim schilderte in einer deutschen Rede Priedrich den Grossen als Gesetzgeber, und der Secundaner A. Rhode wandte in französischer Sprache die Worte Hein- richs IV. in der Schlacht von Ivry:„Mes compagnous! vous êtes François, je suis votre roi, voici Penne- mil si vous perdez vos enseignes, ne perdez pas de vue mon panache, vons le verrez toujours dans le che- min de'honneur!“ auf Friedrich und seine Preussen an. Hierauf declamirten Schüler der mittlern und untern Klassen mehrere auf die Feier des Tages Bezug nehmende Gedichie. Vortheilhaft zcichnete sich der Secundaner F. von Seydewitz aus, welcher Schubarts Ode auf Friedrich den Einzigen vortrug. Unsere Chorklasse bewährte auch diesmal ihre Tüchtigkeit.(Diershinmniter Choral— Chor: Heilig ist der Herr Zebaoth— Schluss: Heil dir im Siegeskranz.)—
Den 5. Juni hatte die Austalt das Glück von dem Herrn Bischof und Gencral-Superintendenten von Pommern Ritter etc. Dr. Ritschl besucht zu werden. S. Hochwürden waren mit den Leistungen der einzelnen Klassen zufrieden und sprachen in jeder derselben Worte der Ermahnung und Brmunferung 4 welehe un- möglich ihren Eindruck verfcehlen konnten.
Am 11. Junius Mittags 11 Uhr berief der Director sämmtliche Klassen in den Betsaal, um auf das während jener Stunde zu Berlin Statt findende feierliche Leichenbegängniss Sr. Hochseligen Majestät Frio- drich Wilhelm III. hinzuweisen und die Gefühle der Dankbarkeit, der innigsten Liebe und Verehrung ge- gen den hohen Entschlafenen, welchem auch unsere Anstalt so grosse Wohlthaten verdankt, in den Ge- müthern aller Zöglinge zu erneuern und zu befestigen.*
Das jährliche Frühlingsfest, welches auf den 18. Junius zur Erinnerung an den Sieg bei Belle-Al- liance zu fallen pflegt, ward dieses Mal wegen der allgemeinen Landestrauer bis auf den 1. Julius aufge- schoben, an welchem die Schüler des Pädagogiums, begleitet von dem Director und ihren übrigen Lehrern, sich mit heitern Spielen auf der benachbarten Insel Vilm in der schönen frelen Natur belustigten.
Den 15. Juli Abends 9 Uhr fand in dem mit Kerzen erleuchteten Betsaale eine Todtenfeier für des Hochseligen Königs Majestät Statt. Ihre Durchlauchten der Fürst und die Fürstin, die Eltern und Ange- hörigen einiger Schüler und viele andere hier in Pulbus wohnende oder während der Badezeit hier anwe- sende Herren und Damen bildeten mit sämmtlichen Lehrern und Schülern die Versammlung. Anfang der Feier: vierstimmiger Choral,„Jesus meine Zuversicht.“ v. 1 u. 2— Trauerrede des Predigers und Re- ligionslehrers Bresina, in welcher er den Hochseligen König als Wohlthäter seines Volkes im Allgemei- nen und des hiesigen Pädagogiums im Besondern pries.— Hierauf vierstimmiger Trauerchor von Seidel.— Sodann Schlussgebet des Directors, welches Danksagung fär Alles, was Gott durch den hohen Entschla- fenen Grosses und Edles gethan, Bitte um eine lange segens- und glorreiche Regierung unseres neuen allgeliebten Königs und Landesvaters, so wie für das fernere Gedeihen der unmittelbar unter Seinem Schutze stehenden hiesigen Lehr- und Erziehungs-Anstalt im Ganzen wie in ihren einzelnen Theilen und Gliedern umfasste.— Endlich Choralgesang der ganzen Versammlung mit Orgelbegleitung v. 3 und 4 des oben bezeichneten Liedes.— Jener Abend wird uns in der Erinnerung stets heilig bleiben.
Den 16. u. 17. Juli Privatexamen aller Klassen. Hicrauf Censur und Entlassung in die vierwöchentli- chen Semmerferien. Alle Alumnen reiste- zu den Ihrigen.—


