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nur wenige Wochenstunden widmen können, nachzuholen, bedarf keiner weitern Auseinandersetzung. Möch- ten doch alle Eltern auf diesen ersten so wachtigen Vnterricht ihrer Kinder die grösste Sorgfalt verwenden lassen. Ob ein zehnjähriger Knabe in Geschichte, Gcographie, Mathematik, Botanik u. dergl. bewandert ist und französisch spricht, thut wenig zur Sache; aber ob er für religise Wahrheiten zugänglich und empfänglich ist, ob er geläufig und richtig liest, ob er weiss was er gelesen, ob er seine Muttersprache ziemlich richtig spricht und schreibt, ob er anfängt sich eine schöne Handschrift anzueignen und in den sogenannten vier Species ganz sicher und gewandt ist oder nicht— das ist von ganz anderer Bedeutung. Im letzteren Falle trägt er eine Fessel, die gar leicht alle Fortschritte, alle Lust zum Lernen hemmt und nur durch anhaltenden Privatfleiss abgestreift werden kann.
7. Jede auch die geringste Klassenversäumniss, insbesondere vor und nach den Ferien, hindert, wie dies einleuchtet, die geregelten Fortschritte der Schüler und wird von uns] sehr ungern gesehen. Wir bitten deshalb die g. E. u. V. im wahren Interesse ihrer Angehörigen, nur in den dringendsten Fällen ihren Söhnen oder Mündeln dergleichen Versäumnisse gestatten oder unsere Einwilligung dazu in Anspruch nehmen zu wollen. Das Letztere setzt den Unterzcichneten bisweilen in recht unangenchme Verlegenheit.
II. Chronik des Pädagogiums. A. Allgemeines.
Auch in dem verſflossenen Schuljahre ruhte der Segen Gottes sichtbar auf unserer Anstalt. Der Unter- richt hatte seinen regelmässigen Fortgang und trug gute Früchte. Der häusliche Fleiss war ganz beson- ders im Laufe ges Wintersemesters recht angestrengt und gewissenhaft. Auch das Werk der Erzichung ward gesegnet. Wenngleich bei einer so grossen Anzahl von Knaben und Jünglingen einzelnen Verir- rungen und Vergehungen durch den Ernst der Schulzucht Einhalt gethan werden musste, so blieb doch fortwährend der Geist des Fleisses, des willigen Gehorsams und der guten Sitte unter den zLöglingen des Pädagogiums einheimisch.— Gleieh beim Anfange des Schuljahres sahe sich das Lehrercollegium Sendthigt zwei Schüler zu relegiren, welche anfingen ein böses Beispiel zu geben.
Der Gesundheitszustand bei Lehrern und Schülern ist, Gott sei es gedankt, im Ganzen recht erfreu- lich gewesen. Von lebensgefährlichen Krankheiten ist die Anstalt verschont geblieben. Katarrhalische, rheumatische und gastrische Beschwerden, Halsentzündungen leichterer Art kamen nicht selten vor, jedoch so, dass die meisten Patienten schon nach 24 Stunden wieder aus dem Krankenzimmer entlassen werden konnten. Einer unserer Schüler lcidet noch immer an einer hartnäckigen Krankheit; wir schen jedoch sei- ner baldigen Rückkehr aus dem elterliechen Hause mit sicherer Hoffnung entgegen. 8
Ein Zweiter erkrankte während der Weihnachtsferien und kehrte nicht wieder in unsere Mitte zurück- Er starb den 10. August nach langem und schwerem Nervenlciden. Lehrer und Mitschüler betrauern den Tod dieses Jünglings um so schmerzlicher, da er bereits Schüler der ersten Klasse zu schrguten Hoffnun- gen berechtigte.
Wenngleich schon immer für die Wartung der Kranken im Alumnate hinlänglich gesorgt war, so sicht doch die Anstalt ciner noch bessern Einrichtung der Krankenpflege, nämlich dem Bau eines besondern Krankenhauses und der Anstellung ciner gebildeten Krankenwärterin, welcher zugleich die Special-Aufsicht über die Wasch- und Kehrfrauen, so wie über Betten, Wäsche und Kleidungstücke der Alumnen über- tragen werden soll, durch die weise Fürsorge der Behörden entgegen.
Die treuen Leistungen der Lehrer fanden bei den hohen Behörden auch ihre äussere Anerkennung. Nicht allein wurden die Ueberschüsse der Schulkasse vom Jahre 1838, in welchem die vacante Stelle des Re- ligionslehrers durch die übrigen Collegen verwaltet war, zur Vertheilung an dieselben überwiesen, sondern es erhielten auch die Adjuncten Dr. Gerth und Müller, so wie der Hülfslehrer Kleinsorge eine ausseror- dentliche Gratification jeder von 50 Rthlrn.


