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Andeutungen über das Verhältnis des Religionsunterrichtes zur Kirche und Schule, und über die Behandlung desselben auf Gymnasien / Bresina
Entstehung
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Kirche oder nach dem Gesetze des Geistes gethan zu haben. Dennoch fallen die Thätigkei- ten einer jeden von diesen Gemeinschaften nicht mit denen der andern zusammen, obgleich ein Individuum zugleich einer jeden dieser drei Gemeinschaften Glied sein kann. Die Ge- meinde und Kirche hat es als solche nur mit der Beziehung des menschlichen Lebens auf Gott zu thun, also zunächst und hauptsächlich mit der frommen Gesinnung, von der sie einen sich von selbst ergebenden Einfluss auf das Familienleben und die Institutionen des Staates, also eine Verklärung des Sittlichen zu seiner höchsten Stufe, auf der es durchweg von der religiösen Beziehung bestimmt wird, erwartet. Es haben daher für die Kirche die Familien- verhältnisse und die mannigfachen Thätigkeiten des Einzelnen als eines Gliedes im Staate wohl Bedeutung, in so fern sie einem jeden durch die Natur des Menschen bedingten sittli- chen Verhältnisse das Siegel des Christenthums aufprägen will, was nicht nach einer und derselben Weise geschehen kann, aber sie ruft aus sich selbst und ihrem Wesen diese Verhält- nisse nicht hervor, hat also mit ihrer Organisation gar nichts zu thun und behält für sich nur die Sorge für die Erhaltung und Verbreitung der christlichen-religiösen Idee und des christ- lichen Glaubens, aus welchem christliche Gesinnung und christliches Handeln in allen Ver- hältnissen hervorgeht. Das ist ihr Zweck, durch welchen sie Gott und den Menschen dient. Denn indem sie diesen Zweck zu realisiren strebt, bringt sie in dem Einzelnen die Erlösung zu Stande und aur Erscheinung und schafft besonders dem Staate für seine in die Breite des Lebens gehenden Zwecke in Liebe an ihn sich hingebende Bürger.

Für diesen ihren Zweck entwickelt die Kirche eine Reihe von Thätigkeiten. Die Ge- meinde will die religiöse Beziehung ihres Lebens auch darstellen, um sie in dieser Darstellung sich zu objectiviren und ihrer als eines Besitzes gewiss zu sein, zumal da auf dem breiten Gebiete des sittliehen Lebens die religiöse Idee nur allmählich in dem Einzelnen immer mehr und in der Totalität der Gemeinde nie ganz zur Herrschaft kommt. Aus diesem Triebe ent- wickelt sich die öffentliche Versammlung zur gemeinsamen Erbauung, der Gottesdienst. Sein Mittel ist das Wort, angewandt auf die verschiedenste Weise. Im Cultus giebt die Gemeinde kund ihren vorhandenen Glauben und erbaut dadurch den Einzelnen, denn sie macht ihm seinen Glauben gewisser, kostbarer und theurer. Die Gemeinde besteht aber auch aus Einzel- nen. Wie die Gemeinde das einzelne Glied erbaute, so soll dieses nun auch helfen, das Ganze zu erbauen. Damit es diesen Trieb immer lebendiger in sich entwickele, ja Stockungen des- selben in sich überwinde, so muss die Gemeinde durch besondere private Einwirkung die Seele des Einzelnen besorgen lassen und sie dadurch befestigen. Auch für diesen Zweck gebraucht sie das Wort. Die Gemeinde hat endlich in dem Bewasstsein, durch die absolute Religion in ihrem Leben bestimmt zu sein, den Trieb, alle aus der niedern Sphäre des religiö- sen Lebens zu erheben in diese höchste oder da, wo der christliche Glaube noch fehlt, ihn mitzutheilen. Diesen Trieb sucht sie zunächst an denen zu stillen, die in ihrem Schoasse,

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