14 Wetat lieber den Schnabel als den Sabel 500. Hetzt sich lieber herum mit der Dirn', Frisst den Ochsen lieber als den Oxenstirn. Die Christenheit trauert in Sack und Asche, Der Soldat füllt sich nur die Tasche. Es ist eine Zeit der Thränen und Noth, 505. Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder Und aus den Wolken, blutigroth, Hängt der Herrgott den Kriegsmantel'runter. Den Kometen steckt er wie eine Ruthe Drohend am Himmelsfenster aus, ⁵) 510. Die ganze Welt ist ein Klagehaus, Die Arche der Kirche ⁶) schwimmt im Blute, Und das römische Reich— dass Gott erbarm! Sollte jetzt heissen römisch Arm, Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom, 515. Die Klöster sind ausgenommene Nester, Die Bisthümer sind verwandelt in Wüstthümer, Die Abteyen und die Stifter Sind nun Raubteyen und Diebesklüfter Und alle die gesegneten deutschen Länder 520. Sind verkehrt worden in Elender— Woher kommt das? Das will ich euch verkünden, Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden, ¹)
⁵) Zu den v. 504— 509 gab Cap. III die Anregung, wo von„den wunderlichen Zeichen und seltzsamen Begebenheiten“ die Rede ist,„so gemeiniglich Kriegen und anderen Straffen Gottes“ vorauszugchen plegen. Hier heisst es p. 13:„Gäntzlich aber kann man es nicht widersprechen und für wahr tröbet der über uns erzürnte Gott durch viel Zeichen am Himmel und auf Erden mehrmahlen ein verdienten Ruthenstreich; der gar grosse und erschröckliche Comet mag wohl ein Ruthen gewest sein, die uns Gott in dies grosse Fenster gestellt hat, womit er uns einen harten Streich trohet.“
⁵) Xl. 61:„Die Arcuen der katholiscuen Kirchen hat über die anderthalb Tausend Jahr manchen Anstoss gelitten von den tobenden Wellen der Ketzereien.“
¹) Für die Verse 510 530, welche uns die furchtbare Zeit des 30 jährigen Krieges schildern, benützte der Dichter vielfach das IV. Capitel, wo nachgewiesen wird, dass die Christen für den Einfall der Barbaren in ihre Länder niemand andéeren beschuldigen dürfen als blos„die gar häufigen Sünden der Zeit“, indem der liebe Ilerr Gott gegen uns„mild und wild“ sich zeige,„gestaltsamb wir uns gegen ihme halten“....„ISt es Sach, dass wir seine Göttliche Gebott halten und seinen heiligsten Nahmen loben und preysen, so ertheilet er uns reichflüssig cinen galdenen Frieden, einen gewüuschten Wohlstand und allersättlichen Seegen Dafern wir aber in zahmloser Freiheit leben, Sünd und Laster täglich vermehren und Seine Göttliche Majestät beleidigen, so zeigt er uns ein eysene Faust, Harte Kriegs-Empörungen und faindliche Einfall“(p. 15). Hier nun heisst es p 15:„Von vielen Jahren hero ist das Römische Reich schier Römisch arm worden durch stäte Krieg;.... Eilsass ist ein Elendfass worden durch lauter Krieg; der Rhein-Strohm ist ein Pein-Strohm worden durch lauter Krieg und andere Länder in Elender kehrt worden durch lauter Krieg.“


