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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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bietet, einer besonderen Beachtung werth zu sein. Wir finden hier nämlich eine Reihe von Stellen gestrichen, die in der Editio prima völlig unan- gefochten belassen wurden. Nun sind diese Stellen, wie man sich aus dem zweiten Theile der vorliegenden Arbeit leicht überzeugen kann, durch die Bank fast wörtlich aus Abraham ¹²) entlehnt; und da blos bei zweien, ²⁴) höchstens dreien ²⁸) derselben ein plausibler Grund für deren Auslassung beigebracht werden kann, bei der vierten ²⁶) aber man lediglich auf die Ausflucht angewiesen ist, dass bei einer Theaterbearbeitung nicht Alles auf die Goldwaage gelegt werden dürfe, so scheint mir hier der erste, schüchterne Versuch vorzuliegen, die im Brief vom 8. Oktober in Aussicht genommene Ausmerzung des fremden Eigenthums mindestens anzubahnen. Zwar scheint die geringe Zahl der entfernten Stellen diese Vermuthung nicht sonderlich zu unterstützen, allein eine sorgfältige Prüfung der Sache dürfte ergeben, dass der Dichter sie im Augenblick nicht um eine einzige vermehren durfte. Denn der Rest der Entlehnungen ist so fest in das Gefüge des Ganzen verarbeitet worden, dass manche derselben geradezu als Grundsäulen des ganzen Gebäudes angeschen werden können; und die Entfernung dieser hätte jedenfalls eine vollständige Umarbeitung der Predigt erfordert, wozu der Dichter jetzt nämlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1799 weder Zeit noch auch rechte Lust haben konnte.

Und nun bevor wir an die Ausscheidung des aus Abraham entlehnten Materials schreiten, noch ein paar Worte über die Stelle, an welcher der Dichter die Predigt gern angebracht wissen wollte. Dabei werden auch die die Predigt einleitenden Umstände zur Sprache kommen müssen; denn nur wenn man diese genau kennt, kann man sich die ersten zwei Zeilen der Predigt richtig erklären und wird überdies dem Dichter das Zeugnis nicht versagen, dass er selbst im Eingang zu der Predigt seinem Vorbild treu geblieben.

Schiller hatte den Kapuziner aufgenommen, weil ihmgerade dieser Charakterzug der Zeit und des Platzes gefehlt hatte; allein an welcher Stelle er ihn ursprünglich anbringen wollen, ist aus der Correspondenz nicht zu entnehmen. Unzweifelhaft hatte er ihm eine der ersten Szenen zugedacht. ²⁷) Später jedoch kam er zu der Ueberzeugung, dass es doch

2⁴) v. 487 489Als hättedrein schlagen, und v. 512 513Und das römisch-Arm.

2⁵) Als dritte Stelle, v. 563 566Die Glocken-Munde geht.

26) v. 52 7 530Auf das a, b, c.

a) Aus dem Traktate:Antf, auff ihr Christen, das ist: Eine bewegliche Anfri- schung der Christlichen Waffen wider den türkischen Blut-Egel, enthalten inReimb dich oder ich Liss dich.

²7) Brf. an Gth. v. 8. Okt.Wenn Sie die Predigt gelesen haben, so werden Sie selbst finden, dass sie nothwendig um einige Szenen später kommen muss.