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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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8 stellung festgesetzt sei, da es ihm nicht unlieb wäre, wenn er für die Kapuzinerpredigt noch ein paar Tage Musse haben könnte.

Es war nun allerdings wenig wahrscheinlich, dass die Vorstellung Mittwoch den 10. Oktober ¹⁹*) wie man es ursprünglich in Aussicht genommen hatte, vor sich gehen würde; ²⁰) indess Goethe drängte trotz alledem, wünschte die Predigt je eher, je lieber in Händen zu haben ²⁵) und so sandte Schiller das Fertiggebrachte am 8. Oktober mit folgenden Begleitworten ein:Hier erhalten Sie meine Kapuzinerpredigt, so wie sie unter den Zerstreuungen dieser letzten Tage, die von Besuchen wim- melten, hat zu Stande kommen können. Da sie nur für ein paar Vorstellungen in Weimar bestimmt ist und ich mir zu einer anderen, die ordentlich gelten soll, noch Zeit nehmen werde, so habe ich kein Bedenken ge- tragen, mein würdiges Vorbild in vielen Stellen blos zu übersetzen und in anderen zucopieren. Den Geist glaubeichso ziemlich getroffen zu habep. Und Tags darauf wieder versichert er, die Predigt hätte noch besser ausfallen müssen, hätte er gewusst, dass sie am 10. in der Früh nicht zu spät kommen würde. Im Grunde genommen, meint er weiter, mache es ihm grosse Lust, auf die Fratze noch etwas zu verwenden; denn dieser Pater Abraham sei ein prächtiges Original, vor dem man Respekt bekommen müsse und es sei eine interessante und keineswegs leichte Aufgabe, es ihm in der Tollheit und in der Gescheidigkeit nach- oder gar zuvorzuthun; doch werde er das Möglichste versuchen.

In wie weit Schiller sein Vorhaben ausgeführt, lässt sich jetzt, wo uns das Theaterexemplar der Weimarer Bühne nicht mehr zu Gebote steht, ²²) nur vermuthen. Als Hauptquelle käme hiebei die Beilage zur allgemeinen Zeitung vom 7. November 1798 in Betracht und nächst dieser wohl die von Maltzahn verglichene Theaterbearbeitung des Stücks aus dem Jahre 1799. ²³) Letztere scheint mir übrigens auch noch aus einem andern Grunde und nicht blos wegen der zahlreichen Varianten, die sie

¹3) Brf. an Körner v. 30. Sept.In zehn Tagen wird er also in Weimar ge⸗ spielt werden. 3 ²⁰) Gths. Bf. vom 6. Okt.Ich will Sie nicht eher herübersprengen, als nöthig ist; denn es ist noch nicht einmal wahrscheinlich, dass wir Mittwoch spielen.

21) Vergl. Gths. Brfe. vom 6. u. 7. Oktober.

²²) Ging beim Theaterbrand am 21. März 1825 zu Grunde.

. ²³) Nach dem Manuscripte des Dichterscopiert undvon ihm durchgesehen, wie er dieses eigenhändig darauf bemerkt. Wahrscheinlich für die Stuttgarter Bühne be- stimmt, kam sie aus der Verlassenschaft des Staatsrathes Kielmeyer, eines Genossen Schillers, auf den Solitüde im Jahre 1845 in den Besitz der königlichen Bibliothe k in Berlin.(Nach Maltzahn.)