6 und erst Tags darauf äusserte er den Wunsch, dass von den Weimarer Schauspielern etwas mehr, von Iffland etwas weniger gesprochen würde und dass irgend eine Stelle auch auf Schroeder gedeutet werden könnte. ¹¹)
Die Rücksichtnahme auf die Weimarer Schauspieler war— von andern Gründen ganz abgesehen— um so gebotener, als Goethe in der letzten
Zeit wiederholt Anlass nehmen konnte, ihre Ausdauer, ihren Eifer für die Sache und insbesondere ihre hervorragenden Leistungen rühmend anzuerkennen. Ich führe als Beleg hiefür den einschlägigen Passus aus dem Briefe vom 5. Oktober an:„Wenn Vohs sich hält wie unsere andern (Schauspieler) beim Vorspiel, so können wir zufrieden sein. Leissring, Weyrauch und Haide deklamiren die gereimten Verse, als wenn sie ihr Lebtag nichts anderes gethan hätten; besonders hat Haide gegen den Schluss einige Perioden deklamirt, wie ich's auf dem deutschen Theater noch gar nicht gehört habe.“ ¹²)
Und nun, nachdem Schiller den Prolog fertig gebracht ¹³) und so seiner Hauptarbeit sich entledigt hatte, schob ihm Goethe auch seinen Antheil zu. Zwar nicht den ganzen; denn für das Anfangsliedchen, welches ihm ebenfalls nicht gelingen wollte, erklärte er einen entspre- chenden Ersatz zu haben; ¹⁴) aber immerhin genug, um dem Dichter seine ohnehin fatale Lage noch fataler zu gestalten. ¹⁵) Doch schickte er, um ihm die Arbeit zu erleichtern, auch einen Band von Abrahams Werken mit dem folgenden Begleitschreiben(5. Oktober):„Nach dieser guten Nachricht(betreffend die erfreulichen Leistungen der Schauspieler) muss ich aber leider anzeigen, dass es mir unmöglich war, auch nur eine Zeile zu unserem Zwecke beizutragen; deswegen schicke ich einen Band des Pater Abraham, der Sie gewiss gleich zu der Kapuzinerpredigt begeistern wird. So wäre z. E. das Rabenaas, als Schlussformel, in
¹¹) Die bezüglichen Aenderungen verfasste Goethe selbst und fanden dieselben auch Schillers ungetheilten Beifall. Vergl. Gths. Bf. vom 6. Okt. und Schillers Antwort darauf vom 7. Oktober.
¹²) Goethes Bf. vom 6. Okt.:„Das Vorspiel geht recht artig. Es war heute Probe auf dem Theater; wir müssen aber auf die geringste Veränderung Verzicht leisten. Bei der Schwierigkeit, eine so neue und fremde Aufgabe mit Ehren zu vollenden, klammert sich jeder so fest an seine Rolle, wie ein Schiffbrüchiger ans Brett, so dass man ihn unglücklich machte, wenn mans ihm wacklich macht.“ Vergl. noch den Schlusspassus im ersten Brfe. v. 6. Okt. bei Vollmer Nr. 526.
¹²) Die von Goethe vorgenommenen Aenderungen betr ffend im Brf. vom 6. Okt. „ich wünschte, dass statt der Stelle, die ich ausgestrichen habe, die andere eingeführt Wärde welche hier im Manuscript folgt,“ worauf dann die bereits angeführten Wünsche folgen.
¹⁴) Goth. 5. Okt.„Das Anfangsliedchen bringe ich auch nicht zu Stande, habe aber etwas Schickliches dafür zu substituiren.“ Schillers Hoffnung, das Liedchen doenn doch zu Wege zu bringen(5. Okt.), gieng bekanntlich nicht in Erfüllung.
¹⁵) Vergl. Bf. an Goethe vom 8. Okt.


