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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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wurde, das Stück selbst in zwei Stücke zu trennen, sei nur nebenbei bemerkt.)

Inzwischen war aus dem unscheinbaren*) Prolog, der lediglich den Zweck hatte, dem Dichter über eine nicht zu umgehende Klippe hinweg- zuhelfen, ³) der erste Theil des dramatischen Gedichtes Wallenstein, Wal- lenstein's Lager, geworden. Ob die Arbeit schon in den ersten Tagen von Goethe's Aufentbalt in Jena(bis auf die weiter unten namhaft ge- machten Theile) vollendet wurde wie man das aus dem bereits oben angeführten Briefe vom 21. September schliessen könnte ob später, etwa gegen Ende September, ist nicht zu bestimmen; so viel jedoch steht fest: Der Hauptsache nach war die Arbeit am 30. September schon fertig

und was noch zu geschehen hatte, waren das Anfangslied und die Predigt abgerechnet nur geringfügige Ergünzungen und minder we-

sentliche Aenderungen. Man kann das schon aus dem UÜUmstande ent- nehmen, dass Goethe ihrer bei der ersten Aufführung leichtlich entrathen zu können meinte.*) Und da Goethe die Abfassung der Predigt und das Eingangsliedchen auf sich genommen hatte, ¹⁰*) so war nunmehr der Prolog Schiller's eigentliche Hauptarbeit.

Schiller wäre mit dem Prolog schon am 2. Oktober fertig geworden, hätte ihm nicht ein Besuch der Weimarischen Dichterinnen, Amalie Imhof und seiner Schwägerin, die letzten Stunden vor Abgang des Botenmäd- chens geraubt. Nun musste er den nächsten Posttag abwarten und sandte in Folge dessen die Arbeit erst am 4. Oktober ein, mit dem Bemerken, wenn Goethe Einiges geändert wünsche, dass er's ihn durch einen Ex- pressen wissen lassen möchte. In der Erwiederung autf diesen Brief vom 5. Oktober erklärte sich Goethe mit dem Prolog sehr zufrieden

³) Bf. an Körner v. 30. Spt.Das Stück selbst habe ich nun, nach reifer Ueber- legung und vielen Conferenzen mit Goethe, in zwei Stücke getrennt. Ohne diese Ope- ration wäre der Wallenstein ein Monstrum geworden an Breite und Ausdehnung und hätte um für das Theater zu taugen, gar zu viel Bedeutendes verlieren müssen. Jetzt sind es mit dem Prolog drei bedeutende Stücke, davon jedes gewissermassen ein Ganzes, das letzte aber die eigentliche Tragödie ist... Das dritte Stück heisst Wallenstein und ist eine eigentliche, vollständige Tragödie; die Piccolon ini können nur ein Schau- spiel, der Prolog ein Lustspiel heissen.

¹) Ebendaselbst:Ich habe ihn beträchtlich und gewiss um die Hälfte vermehrt.

³) Bf. an Körner v. 28. Nov. 1796:Die Base, worauf Wallenstein seine Unter⸗ nehmung gründet, ist die Armee, mithin für mich nur eine unendliche Fläche, die ich nicht vors Auge und nur mit unsäglicher Kunst vor die Phantasie bringen kann: ich kann also das Objekt, worauf er ruht, picht zeigen und ebenso wenig das, wodurch er fällt, das ist ebenfalls die Stimmung der Armee, der Hof, der Kaiser.

²) Vergl. Goethes Briefe vom 6. Oktober; übrigens kommt die Sache weiter un- ten noch einmal zur Sprache.

¹1⁰) Hier insbesondere Goethes Briet vom 5. Oktober zu vergleichen, überdies auch jener vom 29. Septemb., wofern ich mir dasMancherlei in diesem richtig erkläre.