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Zu Schillers Wallenstein. Abraham a S. Clara Anteil an der Kapuzinerpredigt in "Wallensteins Lager"
Entstehung
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senden werde. ³) Allein eine schlaflose Nacht(vom 20. auf den 21.) und der Umstand, dass am 21. September sein Abschreiber ihn hatte sitzen lassen, hinderten den Dichter, sein Versprechen zu halten. Aus dem Briefe jedoch, worin dies mitgetheilt wird,(21. Sept.), ist zu entnehmen, dass die Arbeit ihrem Abschluss ziemlich nahe war und dass Schiller mit derselben nicht unzufrieden zu sein schien:Ich denke, heisst es da in der Gestalt, die er jetzat bekommt, soll er als ein lebhaftes Ge- mälde eines historischen Moments und einer gewissen soldatischen Exi- stenz ganz gut auf sich selber stehen können.) Doch bezweifelte er, dass Alles, was er dem Ganzen zu lieb darin hatte aufnehmen müssen, auch auf dem Theater werde erscheinen dürfen. Dahin zählte er vor Allem den Kapuziner, den er aufgenommen, weil ihmgerade dieser Charakterzug der Zeit und des Platzes gefehlt hatte, meinte jedoch, es liege auch nichts daran, wenn derselbe vom Theater wegbleibe. Schliess- lich fügte er noch die Bitte hinzu, wenn möglich, solle man auf das Stück ein ruhiges, moralisches Drama folgen lassen, weil es dadurch wahr- scheinlich am besten herausgehoben würde. Es schien ihm das um so nothwendiger, als er das ganze Verdienst des Stückes in dessen Leb- haftigkeit setzte und überdies die Absicht hatte, es mit vieler Musik be- gleiten zu lassen.Er(der Prolog nämlich), beginnt mit einem Lied und endigt mit einem; auch in der Mitte ist ein klein Liedchen er ist also selbst klangreich genug.

Auf diesen Brief erfolgte von Seiten Goethes keine Antwort, wohl aus dem Grunde, weil dieser gleich den nächsten Tag nach Jena hinüber- fuhr. Während Goethes Aufenthalt dortselbst, der sich bis in den Anfang Oktobers verzog, wurde nicht nur Schillers Anliegen betreffs des nach- folgenden Stückes erledigt, 5) sondern auch beschlossen, demVorspiel noch einen Prolog vorauszuschicken. Die Ausarbeitung dieses übernahm Schiller, musste sich jedoch über direkt ausgesprochenen Wunsch Gocthes einige Aenderungen an dem ursprünglichen Entwurf gefallen lassen worüber weiter unten Näheres. Dass in dieser Zeitnach reifer Ueber- legung und vielen Conferenzen mit Goethe auch der Beschluss gefasst

³) Goethe, der inzwischen nach Rossla verreist war und dem in Folge dessen dieser Briaf erst am 20. zugestellt wurde, erklärte sich Tags darauf, ohne die Sendung abzuwarten, mit den beabsichtigten Erweiterungen vollkommen einverstanden.

¹) Brf. an Körner v. 30. Spt.:wirklich ist er jetzt ein schr lebhaftes Gemälde eines Wallensteinischen Kriegslagers.

*) Nach Maltzahn, Beilage II. waren es die Corsen von Kotzebue.