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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Prag entboten und es wurde bei Leibesstrafe verboten, jemand anderem als Wallenstein, Ilow und Tréka zu gehorchen. Colloredo, der in Schlesien be- fehligte und dem man nicht traute, wurde abberufen und an seine Stelle Graf Schaffgotsch geschickt mit dem Auftrag, zu sehenwer es mit ihm halten würde, den anderen aber die Hälse zu brechen. Auf Wallensteins Wunsch schreibt der Herzog Franz Albrecht Brief auf Brief an Arnim mit der Bitte, recht bald nach Pilsen zu kommen und einige Tausend Pferde an der böhmi- schen Grenze aufzustellen, damit man dem Friedländer im Notfall helfen könnte. Auch dem Grafen Schaffgotsch möchte Arnim gegen Colloredo in Schlesien beistehen;jetzt müsse es biegen oder brechen, schreibt er,es ist ein ge- machtes Fressen für uns usw. Am 19. Februar wurde Franz Albrecht von Wallenstein nach Regensburg zu Bernhard von Weimar gesendet, vor welchem der Generalissimus sicher Sein wollte,wenn er es mit anderen zu tun hätte; auch die Schweden sollten einige Tausend Pferde an der böhmischen Grenze für ihn bereit halten. Am 23. Februar, schon auf der Flucht nach Eger, wurde der Kanzler des Herzogs Elz mit Mandaten an den Markgrafen Christian von Brandenburg-Külmbach abgeordnet. Die letzten Vorbereitungen zu einer offenen Empörung gegen den Kaiser waren getroffen.

Am 22. Februar wollte Wallenstein selber von Pilsen nach Prag auf- brechen, um sich der Hauptstadt Böhmens zu bemächtigen und sich an die Spitze der Armee zu stellen. Tréka wurde schon am 21. Februar voraus- geschickt. Er kam aber nur bis Rokitzan, wo er bereits vom Obersten Sparr erfuhr, daß Prag verloren und in der Stadt das kaiserliche Patent vom 18. Fe- bruar, welches Wallenstein, Ilow und ihn als Rebellen, denen niemand mehr gehorchen dürfe, erklärt, proklamiert wurde. Die Wirkung dieser Hiobspost, welche Tréka noch am Abend desselben Tages nach Pilsen brachte, war eine niederschmetternde; sie öffnete Wallenstein und seinen Anhängern mit einem Schlage die Augen und zeigten ihnen den Abgrund, vor dem sie bis jetzt ahnungslos gestanden waren. Die Zeit der letzten verzweifelten Gegenwehr war für sie gekommen.

Da fast die ganze Armee bis auf wenige hauptsächlich Tréka'sche Re gimenter von ihrem Feldherrn abgefallen war, so blieb für Wallenstein und seine Freunde als das nächste und einzige Rettungsmittel nur die Flucht in die Nähe der Feinde übrig. Nachdem in der größten Eile die notwendigsten Sicherheitsmaßregeln und Vorbereitungen getroffen worden waren, verließ man am 22. Februar um 10 Uhr vormittags Pilsen, um sich nach Eger zu begeben. Wallenstein bleich wie eine Leiche, Tréka verstört, nur Kinsky lustig wie immer und Ilow geschäftig nach allen Seiten Briefe sendend, welche den Fein- den den vollzogenen Bruch des Herzogs mit dem Kaiser und seine Flucht nach Eger meldeten und um schleunige Hilfe baten. Hilfe war allerdings sehr not- wendig. Nur 10 Reiterkompagnien, 5 von einem Regimente Trékas, 5 vom Re- gimente des Herzogs Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, und ungefähr 200 Mann zu Fuß, zusammen etwas über 1000 Mann, begleiteten ihren geächteten Feldherrn auf seinem letzten Zuge; die 5 Kompagnien vom Regimente Sachsen verließen ihn übrigens in Kuttenplan und zogen nach Prag. Wohl stand noch ein Tréka'sches Regiment in Eger und hatte sich vor Mies der Oberst Buttler mit seinem Dragonerregimente dem Zuge angeschlossen, aber nicht um Hilfe und Verstärkung, sondern Tod und Verderben zu bringen. Fast wehrlos langte Wallenstein am 24. Februar um 4 Uhr nachmittags in Eger an am Endziel seines Lebens.