Druckschrift 
Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

Die näheren Umstände des Egerer Blutbades vom 25. Februar 1634(bei Schiller unrichtig der 24.) bedürfen keiner näheren Beleuchtung. Bemerkens- wert ist, daß die Mörder aus eigenem Antrieb gehandelt haben, bevor ihnen der kaiserliche Haftbefehl gegen den Generalissimus noch zugestellt werden konnte. Ihre gräßliche Tat muß Abscheu erwecken, aber wahrscheinlich wurde eben da- durch der Ermordete aus einer Situation befreit, die für ihn vielleicht noch ärger gewesen wäre, als selbst der Tod. Wohl waren die Feinde jetzt nach dem erfolgten offenen Bruche Wallensteins mit dem Kaiser bereit, einen Bund mit ihm zu schließen selbst Arnim, der bis dahin immer mit seiner Reise zu ihm gezögert hatte, trank auf die Nachricht von der Flucht des Her- zogs von Pilsen mit seinem Kurfürsten die ganze Nacht hindurch, wobei sie immer auf Wien zu marschierten und reiste dann, allerdings zu spät, nach Eger ab aber offenbar nur, weil sie in ihm noch eine politische Größe ersten Ranges sahen und ihn an der Spitze eines großen, ihm ergebenen Heeres wähnten. Nun kam er aber zu ihnen als eine gefallene Größe, als ein armer Flüchtling ohne Mittel, ohne Heer, nur mit wenigen Begleitern. Waren sie da noch bereit mit ihm einen Vertrag auf Gleichberechtigung abzuschließen? War ihnen der Geächtete, der nicht mehr zurück konnte, nicht vielmehr auf Gnade und Ungnade ausgeliefert? Konnten sie ihn, den Verräter an seinem eigenen Herrn, noch achten, ihm trauen, zumal sie schon selber so trübe Er- fahrungen mit seiner Unzuverlässigkeit gemacht hatten? Wie tief das Miß- trauen der Feinde gegen Wallenstein selbst nach seinem offenen Bruche mit dem Kaiser vielfach noch war, beweist am besten das Verhalten des Herzogs Bernhard von Weimar gegenüber den Hilfegesuchen des Geächteten. Er war der einzige, der ihn aus der Hand der Mörder hätte retten können; nicht einen Finger rührte er zu seinen Gunsten, denn er hielt alles für einen besonderen Betrug und Arglist.Dieser Herr, sagte er von Wallenstein,glaubt nicht an Gott, daher ihm nicht zu trauen; wollte keinen Hund satteln lassen oder ver- trauen. So stand also Wallenstein nach einer ruhmreichen Vergangenheit zu- letzt höchstwahrscheinlich ein Leben ohne Ehre, voll von Entbehrungen und Demütigungen bevor und lautlos mit ausgebreiteten Armen empfing er daher den Todesstoß von der Partisane des irischen Hauptmanns Deveroux, der ihn davon befreite. So starb er wenistens eines tragischen Todes als das Opfer seiner eigenen schweren Schuld.Als er das kaiserliche Banner fallen ließ, fiel er mit ihm. Die Uberlieferungen von dem Kaisertum und der habsburgischen Dynastie im Heere erwiesen sich stärker als die Lockungen des Feldherrn'.

Als geschichtliches Problem, das sei noch einmal betont, muß die Wallen- steinfrage als gelöst betrachtet werden. Man weiß jetzt im wesentlichen, wie es eigentlich gewesen ist. Mancher verwickelte Vorgang kann, neue archi- valische Funde vorausgesetzt, noch besser aufgeklärt werden, vieles wird wohl für immer dunkel bleiben müssen. Ob Wallenstein z. B. zu seiner Entschädigung den Besitz der böhmischen Königskrone angestrebt habe, ober ob seine Wünsche sich noch weiter, bis nach der Kaiserkrone erstreckt haben, diese Frage wird mit Sicherheit nie beantwortet werden können, zumal er, wie es scheint, in diesem Punkt selber schwankend und unschlüssig war. Eine ähnliche Bewandtnis hat es mit Wallensteins astrologischem Aberglauben. Man weiß, daß er sich von Kepler, dem berühmten Astronomen, das Horoskop stellen ließ und daß sein fast unerschütterliches Vertrauen zu Arnim und Piccolomini, die ihn wahrscheinlich beide Piccolomini ganz sicher betrogen, gerade auf der gleichen Nativität dieser Männer mit ihm beruhte, man weiß also, daß die