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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Am 18. Februar wurde ein neues kaiserliches Patent erlassen, worindem gewesten Feldhauptmann, dem von Friedland vorgeworfen wird,daß er am 12. Jänner in Pilsen eine ganz gefährliche weitausgehende Konspiration und Verbündnis wider den Kaiser und sein Haus angezettelt hat, um ihn von Land und Leuten zu treiben und sich dessen Krone und Szepter selbst zuzueignen. Außerdem wurde befohlen, nur Gallas, Piccolomini, Aldringen usw. zu ge- horchen, wofür kaiserliche Gnaden und Belohnungen versprochen wurden. Dieses zweite Absetzungspatent sollte überall, auch in Pilsen, veröffentlicht werden. Zugleich wurde in Wien eine Kommission zur Konfiskation des Ge- samtvermögens Wallensteins, Trékas und Ilows eingesetzt.

Von allen diesen Vorgängen und Maßregeln hatte Wallenstein und seine Anhänger in Pilsen bis zum letzten Moment keine Ahnung. Erst das stete Ausbleiben Aldringens, zuletzt auch des Gallas und Piccolomini, endlich der eigenmächtige Abzug des Obersten Diodati mit seinem Regiment und anderen Truppenteilen in der Richtung gegen Osterreich scheint Wallenstein stutzig gemacht zu haben; die Gewinnung der Armee erschien dadurch zwei- felhaft. Er berief daher die Offiziere, die er schon für den 9. Februar bestellt hatte, von denen aber die meisten erst am 13. in Pilsen eingetroffen waren, endlich am 19. Februar zu sich und erklärte ihnen im Bette liegend in einer langen Rede, daß er nichts gegen den Kaiser und die Religion unternehmen wolle. Da er aber befürchten müsse, daß ihm ein Schimpf angetan werde, so habe er die Regimenter nach Prag konzentrieren lassen und möchte nun wissen, wessen er sich dabei von ihnen zu versehen nhabe, zumal sie früher in seine Resignation nicht hätten willigen wollen. Daraufhin erklärten die Offiziere in einer bei Ilow abgehaltenen Versammlung bei ihrem General bleiben zu wollen, weil er nie etwas Unehrenhaftes unternommen hätte. Am folgenden Tage, den 20. Februar, unterzeichneten dann Wallenstein und 30 höhere Offiziere eine Erklärung, worin sie gegen die Verdächtigung, sie hätten gegen den Kaiser oder die katholische Religion etwas gedacht oder gar unternommen, prote- stieren und worin Wallenstein für den Fall, daß er etwas derartiges unternähme, sie aller Verpflichtungen gegen ihn entbindet; er erklärt darin noch, daß er sich mit dem ersten Revers nur gegen feindselige Machinationen hätte schützen wollen. Diese Erklärung Wallensteins und seiner Offiziere vom 20. Februar 1634 ist der sogenannte zweite Pilsner Schluß oder Revers(Schiller kennt nur einen, den ersten, Setzt ihn aber in die Zeit des zweiten).

Während Wallenstein es nicht für notwendig gehalten hatte, den ersten Pilsner Schluß nach Wien zu schicken, wurde jetzt der Oberst Mohr von Wald beauftragt, den zweiten Revers dem Kaiser zu überreichen und zugleich die Erklärung abzugeben, daßder Generalissimus, falls man es wünsche, be- reit Sei abzudanken, nur müsse es mit Manier und nicht mit Gewalt und ohne Verschulden geschehen. Mit einem ähnlichen Anerbieten wurde schon am 18. Februar Max von Waldstein, des Herzogs Vetter, und später, schon auf der Flucht nach Eger, noch der Oberst von Breuner nach Wien geschickt. Von diesen drei Boten gelang es nur Max von Waldstein, aber erst am 23. Februar, nach Wien zu kommen, die beiden anderen wurden auf dem Wege dahin verhaftet.

Wie wenig aufrichtig aber diese Resignationsanerbietungen gemeint waren, erhellt am besten aus den letzten Befehlen Wallensteins, Ilows und Trékas. Die Regimenter wurden unter dem Vorwand, daß Böhmen vom Feinde bedroht sei, für den 23. Februar zu einem Generalrendezvous auf dem Weißen Berg bei