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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Exulanten zu Feuquières mit der Botschaft, daß der Herzog von Friedland nun bereit sei, sich mit den durch sie vertretenen Mächten definitiv zu verbünden. Die lang gehegten geheimen Pläne sollten endlich ausgeführt werden.

Die Stimmung, in welcher Wallenstein sich damals, in der kritischesten Zeit seines Lebens, befand, schildert mit ergreifenden Worten der später in Verhör genommene General v. Scherffenberg.Der Herzog lag, von der Gicht geplagt, krank im Bett, als am Morgen nach der Unterzeichnung des Re- verses dieser Offizier erschien, um von seinem Feldherrn den letzten Abschied zu nehmen. Sie sprachen über den Kurfürsten von Bayern. Wallenstein legte sich zurück im Bett und schwieg lange Weile stille; plötzlich fuhr er aus seinen Meditationen auf und schrie: O Fried, o Fried, o Fried! dann sank er wieder zurück und sagte nichts weiter als: Gott behüte den Herrn! In ähnlicher Stimmung fand ihn später der Oberst Schlieff, der seine letzten Frie- densvorschläge nach Dresden übermitteln sollte. Der Herzog bedauerte das Scheitern der früheren Verhandlungen und entschuldigte dies mit den Worten: homo proponit, deus disponit, der Mensch denkt, Gott lenkt; nun wolle er aber durch die Tat beweisen, daß er die Wohlfahrt des Reiches wünsche. Und noch später, schon unmittelbar vor der Flucht von Pilsen nach Eger, sagte er zum Oberst Beck, der von ihm Abschied nahm:Nun, ich habe den Frieden in meiner Hand gehabt und nach einer Pause fügte er hinzu:Gott ist gerecht.

Die hier angeführten Außerungen Wallensteins, welche unter den ge- gebenen Umständen ohne Zweifel als der wahre Ausdruck seines Innern be- trachtet werden müssen, zeigen nichts von der Art eines schuldlosen, von fremden Intrigen verfolgten Opfers, sondern sprechen vielmehr die gedrückte Stimmung eines Mannes aus, der durch eigene Schuld, sein Ziel verfehlend, in eine trostlose und für die Zukunft wenig Hoffnung bietende Lage geraten ist. Wohl glaubte Wallenstein auf Grund des Reverses der Armee sicher zu sein, obwohl ihm infolge mancher Vorkommnisse zuweilen auch Bedenken auf- gestiegen sein werden, aber die sehnsüchtig erwartete zustimmende Antwort der Feinde auf seine letzten Vorschläge, eine unerläßliche Bedingung für das Gelingen des begonnenen Werkes, wollte sich lange nicht einstellen und die Zeit drängte. Mußte nicht dieses auffallende Zögern der Feinde schließlich die Befürchtung wachrufen, es könnten diejenigen, deren dargebotene Hand zum Bunde er so oft ohne einen stichhältigen Grund zurückgewiesen hatte, miß- trauisch geworden, jetzt im entscheidenden Moment ihre Mithilfe versagen?

Während somit Wallenstein in völliger Ungewißheit über die nächste Zukunft schwebte und dadurch, sowie durch heftige körperliche Leiden seine Tatkraft wie gelähmt erschien, wurde das von Wien ausgeworfene Netz, in welchem er mit seinen nächsten Anhängern sich verstricken sollte, immer enger zusammengezogen. Dieses entscheidende Vorgehen der kaiserlichen Regierung gegen Wallenstein bedarf in vielen Punkten noch einer besseren Aufklärung.

Nach dem Empfang des Befehles zur Exekution gegen den Generalissi- mus nehmen die kaisertreuen Generäle zunächst eine verschiedene Haltung ein. Gallas, der kraft des kaiserlichen Patentes vom 24. Jänner die Leitung der Exekution übernahm und sich dabei eben seit dieser Zeit in Pilsen befand, wohin er von Wallenstein berufen worden war, machte noch einen Versuch, diesen von seinen Plänen abzubringen; der Versuch scheiterte aber voll- ständig und der General wäre dabei bald in eine gefährliche Situation ge-