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Tatsache ist, daß erst die Nachrichten über die Vorgänge in Pilsen zwi- schen dem 11.—13. Jänner 1634 und den ersten Pilsner Schluß, welche zuerst vom General Aldringen und Dr. Navarro, dem spanischen Residenten bei Wallen- stein, nach Wien eingelangt waren, den kaiserlichen Hof zu energischen Maß- regeln gegen den Oberfeldherrn veranlaßten.
Man hatte sich zu diesem Zwecke zuvor noch rechtzeitig der vornehmsten Generale Wallensteins: Gallas, Piccolomini und Aldringen versichert. Diese mußten ohne Zweifel allmählich selbst das Verdächtige der Handlungsweise ihres Oberfeldherrn erkannt haben. Uber ihre anfängliche Haltung weiß man nichts Sicheres, in der kritischen Zeit aber blieben sie dem Kaiser treu. Gallas und Aldringen waren überhaupt zu der großen Offiziersversammlung in Pilsen nicht erschienen und der letztere war, wie wir wissen, unter den ersten, welche über den Pilsner Schluß nach Wien berichteten. Piccolomini hatte wohl nur notge- drungen, wie schon angedeutet, um sich nicht zu verraten, den Revers unter- zeichnet, später aber ließ er gleichfalls alles, was er über die Pläne Wallen- steins wußte, nach Wien gelangen. So kamen die Generale der kaiserlichen Regierung, bei ihrem Bemühen sie zu gewinnen, auf halbem Wege entgegen.
Am 24. Jänner 1634 wurde als Antwort auf den ersten Pilsner Schluß ein kaiserliches Patent ausgestellt, worin anstatt des gewesenen Generaloberstfeld- hauptmannes Wallenstein bis zur definitiven Verleihung des Generalats der Generalleutnant Graf Gallas zum Höchstkommandierenden der kaiserlichen Armee ernannt und den Offizieren, welche den Revers unterzeichnet hatten, ausgenommen Wallenstein und seine Anhänger, volle Amnestie zugesichert wird. Dieses erste Absetzungspatent wurde aber vorerst noch geheim gehalten und selbst Gallas, Piccolomini und Aldringen erfuhren davon zunächst nichts; viel- leicht hoffte man noch auf eine friedliche Lösung des Konfliktes. Erst Ende Jänner 1634 wurde das Patent durch einen eigenen kaiserlichen Abgesandten den gewonnenen Generalen mitgeteilt, zugleich aber auch schon im Namen des Kaisers die Exekution gegen Wallenstein aufgetragen.
Von diesem ganzen Vorgehen des Hofes gegen ihn hatte Wallenstein keine Ahnung. Er hatte, wie bekannt, den Revers nicht nach Wien geschickt, dafür meldete er aber die Ankunft Kinskys und Franz Albrechts in Pilsen, sprach die Hoffnung aus, daß auch Arnim kommen werde, und erbat sich den kaiserlichen Rat Dr. Gebhardt als Assistenten bei den beginnenden neuen Friedensverhand- lungen. Freilich verhandelt er aber dann mit den Vertretern der Feinde allein ohne Zuziehung des kaiserlichen Vertreters.
Inhalt und Richtung dieser letzten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden des Kaisers waren dieselben wie früher; sie waren antikaiserlich und zunächst auf die Gewinnung von Sachsen und Brandenburg berechnet, nur mit dem Unterschied, daß er nun entschlossen war, wie die Feinde es schon immer gewünscht hatten, sich offen gegen den Kaiser zu erheben. So konnte der Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg an Arnim berichten:„Es soll jetzt fix werden, rächen wolle er sich an dem Kaiser, daß sei gewiß, der Pilsner Schluß sei ein guter Anfang dazu, der Kaiser und der Kurfürst von Bayern sollen weg usw.“ Und als die Antwort Sachsens und Brandenburgs auf seine Friedensvorschläge, namentlich aber Arnim, den Wallenstein damals wie seinen Messias herbeisehnte, zu lange auf sich warten ließ, wurden auch mit Schweden und Frankreich die früheren Beziehungen wieder aufgenommen. Graf Kinsky, der in dieser wich- tigen Zeit fast nie von der Seite Wallensteins wich, schickte Anfang Februar den alten Zwischenträgeer Rasin zu Oxenstierna und einen anderen böhmischen


