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neigter zu machen, wurden auch an sie Kopien des Reverses versendet. Bei den Feinden erreichte indes das Schriftstück, wie wir noch sehen werden, den beabsichtigten Zweck nicht, dagegen mußte es den Wiener Hof, dem es nicht mitgeteilt wurde, der aber begreiflicherweise nicht lange in Unkenntnis darüber bleiben konnte, zu einer ernsten Aktion gegen den Generalissimus veranlassen. Hatte sich doch dieser, indem er es unternahm, sich des Gehorsams der Armee auch für den Fall zu versichern, wenn der Kaiser ihn des Kommandos entsetzte, einer Handlung schuldig gemacht, die man nur als Verrat bezeichnen konnte.- Der erste Pilsner Schluß mußte in Wien als der erste Schritt zur offenen Revolte gegen den Kaiser angesehen werden.
Die frühesten Anzeichen eines beginnenden Mißtrauens des kaiserlichen Hofes gegen Wallenstein reichen bis in den Herbst des Jahre 1633 zurück, wo, wie wir wissen, der Hofkriegsratspräsident Graf Schlick zu ihm nach Schlesien geschickt wurde, um ihn zu einem energischen Vorgehen gegen den Feind zu veranlassen und sein Benehmen auszukundschaften. In der Folgezeit wuchs das Mißtrauen des Hofes durch des Herzogs eigene Schuld immer mehr. Aber erst sein unerwarteter Rückzug von Furth und seine hartnäckige Weigerung, gegen den Feind in Bayern etwas zu unternehmen, wodurch der peinliche Konflikt wegen des Generals von Suys zwischen ihm und dem Kaiser entstand, ließen in Wien zuletzt den Gedanken seiner abermaligen Absetzung aufkommen. Zunächst äußerte ihn Ende 1633 der Kaiser selber, aber nur im Kreise seiner intimsten Rat- geber, erst seit Mitte Jänner 1634 drang er in die weiteren Hofkreise und konnte die Kunde davon auch nach Pilsen gelangen. Man kann also nicht behaupten, daß der Wiener Hof durch seine Aktionen, namentlich durch die Absicht, ihn wieder abzusetzen, Wallenstein in die Arme der Feinde getrieben habe.
Ebenso wenig kann die Schuld an dem Untergang Wallensteins den Machi- nationen der spanisch-jesuitischen Partei am Wiener Hof gegen ihn zugeschrie- ben werden. Die Spanier waren, wie wir wissen, im Gegenteil schon 1630 gegen seine Absetzung gewesen und hatten sich später um seine Wiederberufung nach Kräften bemüht. Als dann der spanische Gesandte in Wien Marquis Castaneda über Wallensteins Taten nach der UÜbernahme des zweiten Generalats ungünstig berichtete, erregte dies in Madrid die größte Unzufriedenheit. Man schrieb die ablehnende Haltung des kaiserlichen Generalissimus gegenüber den spanischen Wünschen(Hilfeleistung an Feria) der Ungeschicklichkeit des Gesandten zu und Schickte im November 1633 den Grafen Onate als außerordentlichen Gesandten nach Wien mit dem ausdrücklichen Befehl, die früheren freundschaftlichen Be- Ziehungen Spaniens zu Wallenstein wieder anzubahnen und den Kaiser vor über- eilten Schritten gegen ihn abzuhalten. Onate handelte auch längere Zeit dar- nach. Erst als der Herzog anfangs Jänner 1634 dem Wunsche Spaniens nach UÜberlassung von 6000 Reitern für den Zug Don Fernandos, des Bruders Phillips IV., nach den Niederlanden nicht entsprochen hatte, stellte sich Oñate an die Spitze der Aktion gegen ihn.
In dieser Zeit waren aber selbst die besten Freunde Wallensteins in ihrer Freundschaft für ihn schon längst wankend geworden.„Der Rückzug von Furth,“ sagt einer von ihnen, Fürst Eggenberg,„war das schädlichste, gefähr- lichste und unbedachtsamste Werk, so der Herzog jemals getan hat.“
Es ist begreiflich, daß Wallenstein bei seinen bekannten Charaktereigen- schaften und bei seiner hervorragenden Stellung auch persönliche Feinde und Neider hatte, die an seinem Sturze arbeiteten, So z. B. der Hofkriegsratspräsi- dent Graf Schlick oder Marquis de Grana(Caretto), aber die Hauptschuld an seinem Untergang trifft ihn selber.


