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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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eigene Kosten aufgestellt hatten und nur von Wallenstein den Ersatz ihrer Aus- lagen erwarten konnten, rief diese Nachricht unter ihnen einen großen Schrecken hervor und es wurde sofort Ilow mit noch 4 Obersten als Vertretern der Offiziere zum Generalissimus geschickt, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Erst auf wieder- holte Bitten ließ dieser durch Ilow den Offizieren sagen, er wolle ihnen zu Liebe noch eine Zeitlang das Kommando behalten und sich ohne ihr Wissen und Wollen nicht von der Armee entfernen.

Am folgenden Tage, den 12. Jänner, fand in der Wohnung Ilows das be- kannte Bankett statt. Noch vor Beginn desselben machte der Gastgeber den Vorschlag, die Obersten möchten sich durch einen schriftlichen Revers auch ihrerseits dem Generalissimus zur unverbrüchlichen Treue verpflichten. Man stimmte dem Vorschlag bei, worauf von Ilow sofort ein von ihm und dem Ritt- meister Neumann, dem Sekretär des Herzogs, verfaßter Entwurf zu einem solchen Revers verlesen wurde. Die Offiziere verpflichteten sich darin bis zum letzten Blutstropfen ehrbar und treu zu ihrem General zu halten, und da Ilow noch beifügte,Solange sie(Wallenstein) in seiner kaiserlichen Majestät Dienst verbleiben oder diese zu ihrer Dienstbeförderung sie gebrauchen werden, S0 klang alles unbedenklich und die Offiziere waren zur Unterschrift bereit. Aber erst nachmittags, als die Köpfe durch reichen Weingenuß bereits stark erhitzt waren, wurde ein Revers, in welchem aber die eben angeführte Klausel fehlte, den Offizieren zur Unterschrift vorgelegt. Es entstand eine große Verwirrung. Trotz der allgemeinen Trunkenheit merkten viele den Trug und stellten Ilow zur Rede. Dieser entschuldigte sich damit, daß es ja schon im Texte heißezu Ihrer Majestät Diensten und suchte durch Hetzreden gegen den Hof die Aufmerk- samkeit von diesem Gegenstand abzulenken. Tréka sekundierte ihm dabei meisterlich. Allein viele ließen sich doch nicht täuschen und es kam zu erregten Auseinandersetzungen und wilden Szenen. Die Obersten Losy und Isolani be- kamen Händel mit einander, da jener die übrigen Hundsnasen nannte, Herzog Julius von Sachsen-Lauenburg, der Bruder Franz Albrechts, tobte im Wein- rausch gegen Jesuiten und Spanier und Tréka sprang zuletzt mit gezücktem Degen herum und drohte jeden in Stücke zu hauen, der nicht gut friedländisch wäre, worauf ihm Poccolomini zurief: o traditore, o, Verräter!, dann aber, um sich nicht zu verraten und den Eindruck eines Trunkenen zu machen, den Diodati ergriff und mit ihm herumtanzte. Es war eine volle Mette, wobei Ofen, Fenster, Stühle und Bänke zerschlagen und hinausgeworfen wurden. Endlich wurde der Revers von den Anwesenden, auch von Piccolomini, Gordon, Buttler, Isolani usw., unterzeichnet. Das ist der sogenannte erste Pilsner Schluß oder Revers vom 12. Jänner 1634.

Am folgenden Tage, den 13. Jänner, entbot Wallenstein die Offiziere zu sich er lag krank zu Bette und erklärte ihnen, daß, weil sich bei der Unter- zeichnung des Reverses Schwierigkeiten ergeben hätten, er nun doch seinen Ab- schied nehmen müsse. Erst als die Offiziere ihn von neuem ihrer unwandel- baren Treue versichert und die turbulenten Szenen beim Bankett durch den reichen Weingenuß entschuldigt hatten, versprach er wieder zu bleiben. Noch am nämlichen Tage wurden noch mehrere Exemplare des Reverses angefertigt und unterzeichnet. Einige davon wurden bei den ältesten Obersten aufbewahrt, andere zur Sammlung von weiteren Unterschriften an die Truppen in Schlesien und Oberösterreich verschickt.

Wallenstein glaubte nun der Armee sicher zu sein und um bei den Feinden denselben Glauben zu erwecken, und sie infolge dessen seinen Absichten ge-