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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Indem man nun Wallenstein doch soviel Einsicht zutrauen muß, daß er sich der Folgen dieser seiner Handlungsweise bewußt war, wird man zu der An- nahme gedrängt, daß er den Konflikt mit dem Kaiser absichtlich heraufbe- schworen hat, weil er nunmehr entschlossen war, seine durch dreijährige perfide Umtriebe vorbereiteten antikaiserlichen Pläne auszuführen. Dafür spricht der Umstand, daß er zur selben Zeit seine früheren, durch den Rückzug von Schle- sien abgebrochenen Verbindungen mit allen Feinden des Kaisers wieder auf- nimmt und jetzt endlich auch Vorbereitungen zur Gewinnung der Armee trifft.

Schon vor Weihnachten 1633 bestellte Tréka den Grafen Kinsky, der sich in Dresden aufhielt, nach Pilsen,da nun Wallenstein entschlossen sei, sich nicht bloß mit Sachsen und Brandenburg zu verakkordieren, sondern auch mit Schwe- den und Frankreich; man sein nun entschlossen, die Maske ganz abzulegen und mit Gottes Hilfe das Werk anzufangen. Kinsky möge auch Arnim oder dessen Offizier Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Brandenburg, mitbringen. Vor seiner Abreise hatte der Graf noch eine Audienz bei dem sächsichen Kurfürsten Johann Georg, benachrichtigte den französischen Gesandten Fenquières, sowie den alten Thurn und traf am 9. Jänner 1634 in Pilsen ein. In seiner Begleitung befanden sich neben seiner Frau Rasin und der Oberst Schlieff, ein Jugendfreund des Herzogs, welcher den Zwischenträger zwischen Pilsen und Dresden machen sollte. Der Herzog Franz Albrecht kam später, Arnim, den Wallenstein am sehnlichsten erwartete, sollte überhaupt nicht kommen.

Die Hauptsache aber und die Grundbedingung des Gelingens aller Pläne war die Gewinnung der Armee, d. h. zunächst der Offiziere. Schon durch das erwähnte Gutachten über die Forderungen des Kaisers wurden die Offiziere unbemerkt in das Interesse Wallensteins gezogen, nun sollten sie offen und ganz an ihn gekettet werden.

Gleichzeitig mit der Bestellung der hervorragendsten politischen Unter- hnändler nach Pilsen erging an alle Generäle und Regimentskommandanten der Armee der Befehl, sich am 9. Jänner 1634 zu einer Beratung im Hauptquartier einzufinden. Es waren allmählich 49 hohe Offiziere erschienen, darunter Picco- lomini, Gordon, Buttler; von den Generalen fehlten nur Gallas, Aldringen und Colloredo. Die berühmte große Versammlung Wallenstein'scher Offiziere in Pilsen stand bevor. Erst am 11. Jänner wurde sie in Vertretung des kranken Generalissimus vom Feldmarschall Ilow, einem seiner nächsten Vertrauten, eröffnet.

In einer Ansprache an die Versammelten erinnerte Ilow an die Forderung des Kaisers betreffs der Erneuerung des Feldzuges gegen Bernhard von Weimar und machte dann die Mitteilung von einer neuen Forderung des Hofes an den Generalissimus, nämlich der Beistellung von 6000 Reitern zur Begleitung des Bruders des spanischen Königs nach den Niederlanden. Tatsächlich war der Kapu- Ziner P. Quiroga, Mitglied der spanischen Botschaft in Wien, mit einem solchen Gesuch und einem kaiserlichen Empfehlungsschreiben am 5. Jänner in Pilsen eingetroffen. Die Offiziere erklärten sich, wie schon früher in dem erwähnten Gutachten, ganz entschieden gegen die Forderungen des Wiener Hofes, wovon Wallenstein durch Ilow sofort verständigt wurde. Am Nachmittag desselben Tages hielt dann der Feldmarschall an die Offiziere eine Hetzrede gegen den Hof und die Feinde Wallensteins und machte zum Schluß die Mitteilung, der Generalissimus hätte die Absicht wegen der ihm angetanen Unbilden und Iniurien das Kommando niederzulegen. Die beabsichtigte Wirkung der Rede blieb nicht aus. Da die Obersten ihre Regimenter größtenteils zunächst auf