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ber berichtet er an den bayerischen Reitergeneral Johann von Werth von seinen starken Tagreisen gegen den Feind, zu gleicher Zeit avisiert er aber Gallas,„er wolle sehen, wie er sich auf das eilfertigste werde zurückbegeben können.“ Und diesmal schrieb er die Wahrheit. Am 30. November in Furth i. W. an der böhmisch-bayerischen Grenze angelangt, macht er Halt und kehrt, obwohl der Kriegsrat seiner Offiziere sich für die Fortsetzung des Zuges ausgesprochen hat, nach Böhmen zurück; am 14. Dezember 1633 ist er bereits in Pilsen, wo er sein Hauptquartier aufschlägt und bis zu seiner Flucht nach Eger am 22. Februar 1643 verbleibt.
So also war in ihren Hauptzügen die Kriegführung Wallensteins während seines zweiten Generalats. An und für sich betrachtet ist sie kaum verständlich, selbst unter Zuhilfenahme„von strategischen Fehlern“, dagegen im Zusammenhang mit seinen antikaiserlichen Plänen wohl besgreiflich, zumal Wallenstein einmal selber gesagt hat, er habe das Generalat wieder über- nommen, um seine Absichten desto besser ausführen zu können. Seine Verbin- dungen mit den Feinden waren demnach ernst gemeint, nicht bloß auf Täuschung berechnet. Den entscheidenden Beweis hiefür liefern die Handlungen Wallen- steins seit Mitte Dezember 1633.
Die abermalige Verlegung der Winterquartiere in die Erbländer, besonders aber der plötzliche Rückzug des Generalissimus von Furth nach Böhmen wirkte in Wien wie ein Donnerschlag. Um ihn zur Anderung seiner Entschlüsse zu be- wegen, sandte der Kaiser den Hofkriegsrat Questenberg, den besonderen Günst- ling des Herzogs, zu ihm nach Pilsen, forderte ihn aber zugleich selber brieflich auf, unverzüglich gegen den Feind in Bayern ins Feld zu ziehen, indem er „praeter solitum stilum“, in ungewöhnlichem Ton, schrieb,„er wolle sich dessen unfehlbar versehen, es sei seine endliche Resolution“; man sieht, der schon lange keimende Konflikt zwischen dem Kaiser und seinem Feldherrn nimmt schärfere Formen an. Der UÜberbringer des kaiserlichen Schreibens Graf Trautmannsdorf sollte den Generalissimus, falls er selber gegen den Feind nicht ziehen wollte, zu überreden trachten, daß er wenigstens einen anderen fähigen General mit dieser Aufgabe betraue.
Wallenstein ließ nun den kaiserlichen Brief samt der Instruktion Traut- mannsdorfs durch den Feldmarschall Ilow seinem Offiziersrat vorlegen, welcher in einem eigenen Gutachten die Forderungen des Kaisers in sehr scharfen Worten ablehnte. Dieses Vorgehen Wallensteins mußte begreiflicher Weise in Wien ein sehr böses Blut machen, aber vielleicht wäre noch eine friedliche Bei- legung des Konfliktes möglich gewesen, wenn der Herzog nicht gerade damals seinen ganzen Hochmut und Trotz in der rücksichtslosesten Weise hervorgekehrt hätte. Der Kaiser hatte dem General de Suys befohlen, mit seinen Truppen von Oberösterreich gegen den Inn vorzugehen, um Bayern zu helfen und diesen Be- fehl auch Wallenstein mitgeteilt. Dieser gab darauf de Suys dreimal nach ein- ander den schärfsten Gegenbefehl, Oberösterreich nicht zu verlassen und ließ außerdem Abschriften davon an die untergeordneten Offiziere des Generals schicken mit der strickten Weisung, sich darnach zu richten auch in dem Fall, wenn ihr Vorgesetzter die Anordnungen des Kaisers befolgen wollte. Der Kaiser wiederholte seinen Befehl, sein Generalissimus zweimal seinen Gegenbefehl; de Suys gehorchte schließlich dem letzteren. Der Konflikt erreichte damit seinen Höhepunkt und sucht wohl seinesgleichen in der ganzen Weltgeschichte. Wallen- stein handelte vielleicht noch in den Schranken seines absoluten Oberbefehls, aber im Rechte war er sicher nicht; eine stillschweigende Bedingung war dabei doch die, daß er im Interesse des Kaisers handelte.


