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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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weder gar nicht oder nur wenig berichtete, über seine Untätigkeit etwas stutzig geworden und schickte deshalb den Hofkriegsratspräsidenten Grafen Schlick zu ihm nach Schlesien auf Kundschaft, um ihn zu energischem Han- deln, namentlich zur Hilfeleistung an Bayern zu bewegen. Da wollte sich der Generalissimus offenbar einigermaßen rehabilitieren und fiel plötzlich über die Feinde her und nahm sie gefangen. Den alten Thurn entließ er aber mit Ge- schenken,nicht als seiner Majestät Feind, sondern als seinen allerliebsten Freund.

Wie in Schlesien sollte nach dem Plane Wallensteins auch auf den anderen Kriegsschauplätzen nichts Entscheidendes gegen die Feinde unter- nommen werden.

Bayern wurde von dem feindlichen Hauptheere schwer heimgesucht und damit waren auch die Erbländer bedroht; der Kurfürst bat flehentlich um Hilfe, der Kaiser Selber legte Fürsprache ein, aber Wallenstein blieb unerbittlich.

Ahnlich verhielt sich Wallenstein anfangs auch gegenüber dem Ersuchen Philipps IV. von Spanien, seinen Feldherrn Feria, der auf dem Marsche nach den Niederlanden das hart bedrohte Breisach am Rhein entsetzen sollte, mit Truppen zu unterstützen. Und doch waren die Spanier bis jetzt immer seine Freunde gewesen. Sie wiedersetzten sich seiner Absetzung in Regensburg und wollten später sogar eine Million Gulden zahlen, wenn er wieder berufen würde. Endlich und zwar zur selben Zeit, da er die Schweden unter Thurn bei Steinau überfiel, gab er dem General Grafen Aldringen den Befehl, sich mit den Spaniern zu vereinigen und Breisach zu entsetzen.

Am bedenklichsten aber erscheint das Benehmen Wallensteins bei Ge- legenheit des Angriffs der Schweden unter Bernhard von Weimar auf Regens- burg, fast das letzte bayrische Bollwerk, das noch einem Einbruch nach Oster- reich widerstand. Es ist begreiflich, daß nicht bloß der zunächst betroffene bayrische Kurfürst, sondern auch der Kaiser Wallenstein mit Hilfegesuchen bestürmte und endlich, weil dieser trotz aller Bitten nicht helfen wollte, notge- drungen zum erstenmal seinen Generalen selber direkt befahl, Bayern Hilfe zu leisten. Zwar wurde der Generalissimus von diesen Befehlen noch verständigt, aber ein folgenschwerer Konflikt zwischen dem Kaiser und seinem Feldherrn be- ginnt damit zu keimen. Wallenstein versicherte immer, um sein Benehmen zu rechtfertigen, der Feind wolle ihn durch sein Vorgehen an der Donau nur von Sachsen und Brandenburg abziehen, seine wahre Absicht sei, bei Eger in Böhmen einzufallen. Endlich teilte er dem Kaiser und dem Kurfürsten von Bayern mit, er habe Gallas befohlen, dem Feinde den Weg an der Donau zu verlegen, an Gallas schrieb er aber, sich von der böhmischen Grenze nicht zu rühren. Noch am 10. ja 12. Novemberwollte er seinen Kopf zum Pfand setzen, daß der Weimarer nach Böhmen wolle; drei Tage später fiel Regensburg.

Erst jetzt, als der Feind bereits im Vormarsch gegen Passau begriffen war, meldet Wallenstein dem Kaiser und dem Kurfürsten von Bayern die lang ersehnte Nachricht, daßer Tag und Nacht eilen wolle, um dem von Weimar wiederum den Weg zurück zu weisen. Aber schon in Leitmeritz, wo er einen ganzen Tag stehen bleibt, drückt er sich etwas zurückhaltender aus, denn er will den Feind schlagendafern er denselben etwa deren Orten antreffe. In Pilsen, wo er vom 26. bis 28. November verweilt, beauftragt er den Grafen Trautmannsdorf nach Wien zu berichten, daß er die Winterquartiere wieder in Böhmen nehmen müsse, zuvor aber noch mit 100 Kompagnien der besten Reiterei, allen Kroaten und Dragonern, 1600 auserlesener Mann zu Fuß und 8 Geschützen gegen Strau- bing vorstoßen wolle,wo sich der Feind befinden möchte. Noch am 30. Novem-