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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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müssen, wo man über sein Vorgehen nicht wenig erstaunt war. Schließlich läßt er mit seiner mehrfachen UÜbermacht die Sachsen, ein paar Tausend elender Truppen, ohne jeden Schaden aus Böhmen entweichen. Uber eine solche Art von Kriegführung urteilte Gustav Adolf, sicher der kompetenteste Richter in militärischen Dingen von damals, gewiß richtig wenn er sagte: Wenn man die Kriegführung in Böhmen betrachtet, so steigen einem die Haare zu Berg.

Gegen den Schwedenkönig verspricht Wallenstein dem Kurfürsten von Bayern auf dessen dringende Bitten eine entsprechende Hilfe, den Befehls- habern dieser Hilfstruppen verbietet er aber zu helfen. So wird das ligistische Heer unter Tilly bei Rain am Lech geschlagen und im Mai 1632 zieht Gustav Adolf in München ein; der Weg nach Wien steht offen. Der Tag der Rache an Maximilian von Bayern für Regensburg war gekommen.

Endlich zieht Wallenstein, nachdem er sich zu Eger mit dem Heere der Liga unter Maximilian vereinigt hatte, ins Reich hinaus, um mit seinen minde- stens 50.000 Mann den kaum 15.000 Mann zählenden Feind nicht anzu- greifen, sondern wie dieser bei Nürnberg-Fürth ein festes Lager zu beziehen, hier sieben Wochen lang untätig zu liegen, bis der Schwedenkönig, durch Her- anziehung von Verstärkungen ihm an Truppenzahl gleich geworden, ihn aller- dings ohne Erfolg angreift und dann nach dem Süden zur Donau zieht. Wallenstein wartet noch 5 Tage lang, bis der Feind hübsch weit ist, zieht dann auch ab, aber in entgegengesetzter Richtung, gegen Norden, nach Sachsen, um dort zu überwintern, wird aber, nachdem er sich durch die Absendung Pappenheims muit einer Heeresabteilung gegen Halle geschwächt hat, plötzlich von Gustav Adolf bei Lützen(16. November 1632) zur Schlacht gezwungen und trotz des rechtzeitig herbeieilenden Pappenheim, welcher fällt, und trotz des Todes des schwedischen Königs geschlagen. Mit Hinterlassung der ganzen Artillerie führt er darauf die Trümmer seiner Armee nach Böhmen zurück, um hier, mit der Reorganisation der Armee beschäftigt, den ganzen Winter 1632/33 zu bleiben, während die Feinde draußen im Reich stete Fortschritte machen.

Erst im Mai 1633 bricht Wallenstein mit einer Armee von mehr als 40.000 Mann der besten Truppen,lauter schönem und gut ausgerüstetem Volk, wie Augenzeugen berichten, wieder ins Feld auf, aber nicht ins Reich gegen die Hauptstadt der Feinde, sondern über Gitschin und Königgrätz nach Schlesien gegen einige Tausend Sachsen, Brandenburger und Schweden unter seinen alten Bekannten Arnim, Thurn und anderen. Prahlerisch läßt er sich vernehmen,die Zeit der Verhandlungen sei nun vorbei, der Kaiser werde jetzt die Sachen mit den Waffen entscheiden. Er wolle gleich auf den Feind gehen, bis Mitte Juni mit ihm in Schlesien fertig werden, um sich dann nach dem Reiche zu wenden, wodurch allen Sachen geholfen werde.

Da, gerade im Juni 1633, wurde die Welt überrascht durch die Nach- richt von dem Abschluß eines Waffenstillstandes in Schlesien. Es begann die Zeit der eifrigsten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden in den früher erörterten Richtungen, vor allem durch die Vermittlung Arnims. Der Waffen- stillstand wurde immer erneuert und so ruhten die Waffen bis November d. J. fast vollständig. Nur einmal raffte sich Wallenstein zu einer größeren krie- gerischen Tat auf, indem er im Oktober bei Steinau mit Ubermacht einige Tausend Feinde, darunter auch Thurn, gefangen nahm. Aber auch diese Waf- fentat scheint nur durch besondere Umstände erzwungen worden zu sein. In Wien war man nämlich, da der General, wie gewöhnlich, über sein Tun ent-