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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Es ist nur ganz natürlich anzunehmen, daß Wallenstein zur Ausführung seiner Pläne zunächst die Verbindung mit Sachsen und Brandenburg, den beiden mächtigsten deutschen Staaten, anstrebte, die ihm geographisch schon am nächsten standen und die er durch Arnim, seinen Hauptvertrauten, zu ge- winnen hoffen konnte. Arnim war es ja, von dem er zuletzt, als alles verloren schien, Seine Rettung erwartete. Mit Hilfe Sachsens und Brandenburgs, ihrer und seiner eigenen Armee, wollte er seinen Reichsfrieden diktieren und sich auch mit Schweden und Frankreich auseinandersetzen. Wie aber, wenn der Kaiser den Frieden nicht annahm und im Bunde mit Baiern und Spanien seinem General und dessen Verbündeten die Spitze bot? Für diesen Fall hat der Herzog seine Verbindungen mit Schweden und Frankreich angeknüpft; dann wollte er sich mit allen Feinden der Habsburger in Europa vereinigen, um seine Pläne doch zu verwirklichen und sich am Kaiser und seinem ganzen Hause zu rächen.

Fassen wir alles zusammen, So müssen wir sagen: Mögen betreffs der endlichen Absichten Wallensteins seit seiner Entlassung zu Regensburg noch manche Schwierigkeiten und Unklarheiten, so namentlich über die Art ihrer Ausführung, obwalten, ihre antikaiserliche Tendenz steht fest und unhaltbar ist die Behauptung, er habe einen gerechten Frieden herbeiführen wollen und sei dazu als deutscher Reichsfürst berechtigt gewesen. Darüber äußert sich sehr zutreffend Irmer:Man wird sich, sagt er,doch des wesentlichen Unterschiedes erinnern müssen, welcher zwischen den angestammten Reichs- fürsten und Wallenstein in seiner Stellung zum Kaiser bestand: sie waren Fürsten von Gottes Gnaden, Wallenstein dagegen von des Kaisers Gnaden. Der Herzog befand sich auch nach seiner Absetzung im Vollbesitz des kaiser- lichen Vertrauens und es läßt sich nicht wegleugnen, daß er dasselbe in häß- licher Weise getäuscht hat. Die Reichsfürsten von Gottes Gnaden sahen in dem Krieg gegen den Kaiser den letzten Verzweiflungskampf ums Evangelium und um die deutsche Libertät! Um solche ideale Güter und berechtigte Interessen handelt es sich bei Wallenstein keineswegs; es war ihm lediglich um die Befriedigung seines Ehrgeizes und vielleicht seiner Rachsucht zu tun. Nirgends findet sich bei ihm die Spur eines höheren politischen Gesichts- punktes.

Ganz hinfällig ist, wie schon bemerkt, die Annahme, Wallenstein habe durch seine Verhandlungen die Feinde nur täuschen wollen. Davon findet sich in dem ganzen Urkundenmaterial nicht die geringste Spur und es wäre doch sonderbar, daß er von dieser seiner geheimen Absicht gar niemand, nicht ein- mal dem Kaiser, Mitteilung gemacht hätte, um insbesondere das gegen ihn wachsende Mißtrauen in Wien mit einem Schlage zu beseitigen. Wallenstein, der große Staatsmann,ein Bismarck nach seinen Verehrern, hätte müssen doch wieder sehr naiv gewesen sein zu glauben, es werde ihm möglich sein, alle die feindlichen Diplomaten und Staatsmänner, darunter einen Oxenstierna oder Richelieu, oder auch nur den abgefeimten Arnim hinters Licht zu führen. Die Feinde haben allerdings die Friedensvorschläge des Herzogs zulezt für lauter Betrug erklärt, als sie sahen, daß er immer im letzten Moment, wenn schon alles bis zum Abschluß fertig war, ohne stichhältigen Grund für sie, mit dem bloßen:Es ist noch nicht Zeit, zurücktrat. Dieses merkwürdige Be- nehmen Wallenseins, welches ihm schließlich alles Vertrauen der Feinde raubte und so wesentlich zu seinem Untergang beitrug, ist heute noch ein Rätsel. Sicher- lich aber hat es seinen Grund nicht darin, daß es dem Herzog bei seinen Ver-