Druckschrift 
Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Armeen mit der kaiserlichen unter seinem Befehl. Dieser letztere Vorschlag kommt auch in den neuen Verhandlungen des Herzogs mit den Sachsen im Jahre 1633 vor. Wir haben hier eine Andeutung, wie er sich die Ausführung seiner Pläne dachte; ihre antikaiserliche Tendenz tritt immer deutlicher hervor. Die ausgezeichnete Relation Bubnas klärt noch über einen bei der notorischen Ländergier Wallensteins schier unglaublich klingenden Punkt seiner Kaunitzer Friedensvorschläge auf, nämlich über seine Bereitwilligkeit, zu Gunsten des Friedens auf die erworbenen konfiszierten Güter in Böhmen zu verzichten. Auf das Anerbieten der böhmischen Krone von Seite Bubnas bemerkte der Herzog: Was die Kron, das wäre ein groß Schelmstück. Als ob ein Friede gegen den Kaiser nicht ein ebenso großes Schelmstück wäre! Faßt man die Antwort Wallensteins als eine verschleierte Zustimmung zu dem Anerbieten Bubnas, dann kann man allerdings verstehen, wie er auf seine Erwerbungen in Böhmen ver- zichten konnte.

Außer mit Sachsen-Brandenburg und Schweden hat Wallenstein im Jahre 1633 noch mit Frankreich Verbindungen angeknüpft. Sie wunden in seinem Namen durch den Grafen Wilhelm Kinsky mit Fenquières, dem französischen Gesandten in Deutschland, geführt und hatten, obwohl in manchen Punkten noch dunkel, eine ausgesprochene antikaiserliche Tendenz.

Bemerkenswert ist, daß Wallenstein von allen diesen seinen Verhand- lungen, von den französischen sowohl als auch von den schwedischen, zu welchen er keine kaiserliche Vollmacht besaß, nach Wien entweder gar nichts oder nur im allgemeinen berichtete, wie er das auch bei den Verbindungen mit Sachsen tat, für welche er wenigstens autorisiert war.

So weit wären die Sachen klar; nun stellen sich aber Schwierigkeiten ein. Die bedeutendste davon besteht darin, daß die erwähnten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden im Jahre 1633 zwar alle dasselbe Ziel verfolgen sie richteten sich alle gegen den Kaiser, im übrigen aber, obwohl gleichzeitig geführt, unter einander in fast gar keiner Verbindung stehen, ja einander gegen- seitig aufzuheben scheinen; soviel Feinde, soviel selbstständige, von einander unabhängige Verhandlungsreihen. Sachsen mit Brandenburg einerseits und andererseits Schweden mit Frankreich bilden vor allem die beiden gesonderten Hauptgruppen; wird mit der einen verhandelt, so wird dabei die andere direkt oder indirekt ausgeschlossen. Dieser Umstand erscheint den Verteidigern Wallensteins so bedeutsam, daß sie mit Rücksicht darauf behaupten, der Herzog habe mit seinen Verhandlungen die Feinde nur täuschen wollen, um sie zu trennen und so leichter verderben zu können. Die Hinfälligkeit dieser Be- hauptung wird später gezeigt werden. Die Lösung der Schwierigkeit ist eine andere, allerdings keine leichte und sichere. Sie berührt nämlich die letzten, verborgensten Ziele der antikaiserlichen Politik Wallensteins, die Frage, wie er sich die endliche Ausführung seiner verräterischen Pläne dachte: wollte er durch seine Verhandlungen eine Koalition aller Feinde des Hauses Habs- burg in Europa zustande bringen oder wünschte er sich nur mit einem Teile derselben zu verbinden und mit welchem? Auf diese Frage, welche den Kern des Wallensteinproblems bilden, vermag die Forschung keine sichere Ant- wort zu geben und wird es kaum jemals vermögen, weil das vorhandene urkundliche Quellenmaterial in diesem Punkt vollkommen ungenügend ist und es wahrscheinlich auch bleiben wird. Was sie uns bietet, ist nur eine aller- dings wohlbegründete Annahme; dieselbe ist nur die notwendige Folge des von Wallenstein gewollten Friedens.