schlossen, Wallenstein, den er auch nach dessen Entlassung als seinen„General- oberstfeldhauptmann“ in allen wichtigen diplomatischen und militärischen Ange- legenheiten zu Rate zog, wieder zu berufen. Er bat ihn wiederholt brieflich das Generalat wieder zu übernehmen und beauftragte zugleich die beiden besten Freunde des Herzogs, den Fürsten Eggenberg, einen seiner ersten Ratgeber, und den Hofkriegsrat OQuestenberg(bei Schiller Wallensteins Feind) deshalb mit ihm zu verhandeln. Wallenstein ließ sich, wie begreiflich, zunächst lange bitten, übernahm aber dann doch im Oktober 1631 die ihm übertragenen Friedensver- handlungen mit den Sachsen, die nach der Schlacht bei Breitenfeld unter Arnim in Böhmen eingefallen waren und sich Prags bemächtigt hatten; daß Wallen- stein sie gerufen habe, ist nicht nachzuweisen. Nachdem dieser zuvor endlich seine Bereitwilligkeit auch zur abermaligen Ubernahme des Generalats erklärt hnatte, kam er nach vorheriger Verabredung am 30. November 1631 in dem Tréka'schen Schlosse Kaunitz bei Böhmisch-Brod mit Arnim, seinem ehemaligen Offizier und von nun an seinem Intimus, zwecks Friedensverhandlungen zusam- men. Nach den Mitteilungen Wallensteins an den Kaiser, hätte er dabei Arnim nur gefragt, ob Sachsen den Frieden wolle. Nach den offiziellen sächsischen Berichten, die zu den wichtigsten Dokumenten in der Wallensteinfrage gehören, hat er indes selber folgende Friedensvorschläge gemacht: Aufhebung des Resti- tutionsdekretes und Wiederherstellung der kirchlichen und politischen Verhält- nisse im Reich und in Osterreich, wie sie vor dem Kriege, also 1618, bestanden hatten. Böhmen, jetzt ein Erbreich der Habsburger, sollte wieder ein Wahlreich werden, die Pfalz und die konfiszierten Güter, auch diejenigen, welche er selbst erworben hatte, sollten ihren früheren Besitzern restituiert werden.
Diese Friedensvorschläge gewähren einen tiefen Einblick in die eigent- lichen Pläne Wallensteins. Sie bedeuten für den Kaiser den Verlust alles dessen, was er nach langem, schweren Kampf errungen hatte und es ist klar, daß er sie nur nach einer völligen Niederlage oder gezwungen annnehmen konnte. Damit ist ihr antikaiserlicher Charakter gegeben; Wallenstein hat hier, wie man sieht, das Vertrauen seines Herrn in häßlicher Weise getäuscht.
Die Kaunitzer Friedensvorschläge Wallensteins bilden den Ausgangspunkt und die Grundlage seiner Verbindungen mit Sachsen und dem mit diesem eng verbundenen Brandenburg. Sie kehren im wesentlichen in allen seinen Verhand- lungen wieder, die er mit Unterbrechungen bis zu seinem Lebensende mit diesen beiden Mächten führte und die in der zweiten Hälfte des Jahre 1633, während seines schlesischen Feldzuges, ihren Höhepunkt erreichten. Der antikaiserliche Charakter der ganzen Verhandlungen Wallensteins mit Sachsen und Branden- burg steht somit fest.
Im Jahre 1633 nahm Wallenstein auch die im Sommer 1631 abgebrochenen Verbindungen mit Schweden wieder auf. Der Hauptzwischenträger war dabei neben Tréka, Thurn und Rasin der Herr von Bubna, böhmischer Emigrant und königlich schwedischer Generalwachtmeister. Mit diesem Manne, den er von Jugend auf gut kannte, hatte der Herzog am 16. Mai 1633, unmittelbar vor seinem Aufbruch nach Schlesien, in seiner Hauptstadt Gitschin eine nächt- liche Unierredung, über deren Inhalt Bubna an den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna, den Leiter der schwedischen Politik nach dem Tode Gustav Adolfs, eine ausführliche Relation richtete. Darnach bot Wallenstein den Schwe- den dieselben Friedensbedingungen an wie den Sachsen in Kaunitz, d. h. die Wiederherstellung aller Verhältnisse in den Zustand vom Jahre 1618 und noch mehr, nämlich zur Erreichung dieses Zieles die Vereinigung der feindlichen


