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Die Wallenstein-Frage. Vortrag
Entstehung
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Erfolge bis zum Größenwahn gesteigerten Hochmut wie Wallenstein, mußte in einer unfreiwilligen Verabschiedung ohne Ehren einen unauslöschlichen Schimpf erblicken, der Sühne heischte. Die äußere Ruhe, die er dabei zur Schau trug, war erkünstelt; im Innern grollte er und schwor Rache dem Urheber seiner Ab- setzung, Maximilian von Bayern, aber auch dem Kaiser, der ihn fallen ließ. Motiviert er doch seine antikaiserlichen Pläne später wiederholt mit dem ihm widerfahrenen Affront zu Regensburg und schwört,êer wolle alles dahin dirigie- ren, daß der Kaiser mit seinem ganzen Hause soll schmerzlich sehen und em- pfinden, daß er einen Kavalier affrontiert hat. Es ist wirklich schwer zu glauben, daß ein Mann von so brennendem Ehrgeiz und so großen, auf gewal- tiger materieller Macht beruhenden Aspirationen wie Wallenstein sich fortan ruhig in die Rolle eines müßigen Zuschauers hineingefunden hätte. Ging es nicht mit dem Kaiser, so wollte er nun, schwer beleidigt, rücksichtslos gegen denselben seine hochliegenden Pläne realisieren.

In der Tat hören wir noch im Jahre 1630 von Verbindungen Wallensteins mit den Feinden des Kaisers. Allein infolge der Lückenhaftigkeit des OQuellen- materials erfahren wir nichts Näheres darüber. Eine vielsagende Tatsache kommt dabei aber doch zum Vorschein. Als Vermittler bei den Verhandlungen treten auf: Graf Adam Tréka(Schillers Terzky), Wallensteins Schwager, Graf Matthias Thurn, der alte Erzrebell gegen den Kaiser und der uns bekannte Rasin. Später kommt dazu noch Graf Wilhelm Kinsky, auch ein Verwandter des Herzogs und andere mehr.

Alle diese Männer gehörten dem Kreise der böhmischen Malkontenten und Emigranten an, die im geheimen und offen, im Dienste der Feinde stehend, am Sturze des Hauses Habsburg und an der Wiederherstellung Böhmens, in den Zustand vor der Schlacht am Weißen Berge arbeiteten; auch die Frauen dieses Kreises nahmen daran teil, wie die alte Frau Magdalena, die Mutter des Grafen Tréka(Schillers Gräfin Terzky). Der Umstand nun, daß Wallenstein, auch später als kaiserlicher General, aus diesen Männern, deren Ziele ihm wohlbe- kannt waren, seine Vertrauenspersonen bei den Verhandlungen mit den Feinden wählte, wirkt jedenfalls sehr befremdlich.

Für das Jahr 1631 sprechen die urkundlichen Quellen schon deutlicher. Gustav Adolf, der Schwedenkönig, bietet Wallenstein zum Zwecke einer Er- hebung gegen den Kaiser 12.000 Mann nebst 8 Geschützen sowie die Würde eines Vizekõnigs von Böhmen an, zieht aber dann dieses sein Anerbieten zu- rück, als der Sieg über Tilly bei Breitenfeld(September 1631) ihm die Herrschaft über Deutschland verschafft. Als er dann ein Jahr später im Lager bei Nürnberg mit Wallenstein, damals schon wieder kaiserlichem Oberbefehlshaber, von neuem anknüpfen will, lehnt dieser ab mit dem Hinweis, daß er dazu keine kaiserliche Vollmacht besitze. Weiteren Verhandlungen, heißt es, machte der Tod des Schwedenkönigs bei Lützen(November 1632) für immer ein Ende. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die Hauptursache des Scheiterns der Verhandlungen zwischen Gustav Adolf und Wallenstein die Rivalität der beiden Männer gewesen ist. Dies bestätigt auch ein etwas drastischer Aus- spruch Wallensteins:Zwei Hähne vertragen sich nicht auf einem Miste.

Haben die ersten Verhandlungen des Herzogs mit den Schweden keinen Erfolg gehabt, so bot sich ihm fast zu gleicher Zeit eine vortreffliche Gelegen- heit, mit einem anderen Feind des Kaisers anzuknüpfen.

Schon im Frühjahr des Jahres 1631, besonders aber nach der Niederlage Tillys bei Breitenfeld im September d. J. war Kaiser Ferdinand II. fest ent-