schichte Wallensteins fast sein ganzes Leben gewidmet und eine Unmasse von vielfach neuem Urkundenmaterial— er selber zählt 23.000 Akten— in muster- gültiger Weise herausgegeben.
Schebek mit seiner Lösung der Wallensteinfrage und anderen Schriften treibt mit Wallenstein einen förmlichen Kult, vergleicht ihn mit Bismarck und versteigert sich schließlich zu der dithyrambischen Phrase:„Des Verrats ent-— kleidet, entsteigt wie eine Lichtgestalt der Held den Nebeln, in die seine Ge- schichte gehüllt worden ist.“ Seine historische Kritik hält eben mit seinem Eifer und Fleiß nicht gleichen Schritt.
In die Fußtapfen Hallwichs und Schebeks trat zuletzt noch Schweizer, die Wallensteinfrage in der Geschichte und im Drama, 1899.
Gegen diese Art von Geschichtsschreibung ist unterdessen schon ein Rück- schlag eingetreten. Sehr verdienstvoll und fördernd erwiesen sich hiebei die teilweise auf neu gefundenen Urkunden beruhenden zahlreichen Arbeiten Wittichs, wichtig be- sonders für das Verhältnis Wallensteins zu den Spaniern.
Dagegen sind die angekündigten und mit Spannung erwarteten Enthül- lungen Gindelys, namentlich aus den spanischen und französischen Archiven, wahrscheinlich infolge des Ablebens des Forschers bis jetzt unterblieben. In seinem zweibändigen Werk: Waldstein während seines ersten Generalats(1625 — 30) vertritt aber dieser heftigste Gegner Hallwichs die in der Wallensteinfrage ganz neue Ansicht, der General sei schon während dieser Zeit zum Verräter am Kaiser geworden.
Gründlich und wohl für immer abgetan wurde die Auffassung Hallwichs und Schebeks durch die ausgezeichneten kritischen Arbeiten Hildebrands, Wallen- stein und seine Verbindungen mit den Schweden, 1885, Gädeke, Wallensteins Verhandlungen mit den Schweden und Sachsen, 1885, und andere Abhandlungen desselben Verfassers, Lenz, Zur Kritik Jaroslav Sezyma Rasins, 1888, besonders aber durch die große und schöne Publikation des ehemaligen preußischen Staats- archivars Irmer, Die Verhandlungen Schwedens und seiner Verbündeten mit Wallenstein und dem Kaiser 1631— 1634, 3 Bände 1888— 91, das Standard-Werk der Literatur zur Wallensteinfrage. Alle diese Arbeiten haben eine Fülle neuen Wallenstein belastenden Materials aus den schwedischen und sächsischen Archiven gebracht; sehr wertvoll sind die archivalischen Funde Irmers in Hannover und seine Herausgabe der Protokolle über die gerichtliche Unter- suchung gegen die Anhänger Wallensteins in Wien. Außerdem enthält sehr wichtiges Material Irmers Biographie des sächsischen Generalleutnants Hans Georgs v. Arnim, des Hauptvertrauten Wallensteins bei dessen Verhandlungen mit den Feinden, 1804.
Schön und wichtig ist auch das Werk des Franzosen Fagniez, Le père Joseph et Richelieu, 2 Bände, Paris 1894.
Wertvolle, aber leider wenig beachtete Werke zur Wallensteinfrage er- schienen in tschechischer Sprache. So neben der älteren Schrift Dvorskys, Historische Belege zu den Plänen Albrechts von Wallenstein und seiner Ver- bündeten insbesondere Pekaf, Geschichte der Waldstein'schen Verschwörung 1630— 34, Prag 1895, das bedeutendste darstellende Werk zur Wallensteinfrage.
Pekaf hat auf Grund des gesamten bis jetzt veröffentlichten Urkunden- materials und der übrigen Literatur zur Wallensteinfrage zum erstenmale eine allseitige Lösung des Problems unternommen und ist dabei zu neuen, von der bisherigen Auffassung vielfach abweichenden Resultaten gelangt. Darnach wird


