19
feiert hier ihren Triumph. Wallenstein redet zu Max in den innigsten Tönen väterlicher Liebe, er erinnert ihn an jenen Tag, wo er ihn vom Tode rettete, er mahnt ihn an die Liebe, mit der er ihn stets geliebt: Ich habe dich gehalten und getragen
Von Kindesbeinen an— Was that dein Vater
Für dich, das ich nicht reichlich auch gethan?
Ein Liebesnetz hab' ich um dich gesponnen,
Zerreiss es, wenn du kannst— Du bist an mich
Geknüpft mit jedem zarten Seelenbande,
Mit jeder heil'gen Fessel der Natur,
Die Menschen an einander ketten kann.
Geh hin, verlass mich, diene deinem Kaiser,
Lass dich mit einem goldnen Gnadenkettlein,
Mit seinem Widderfell dafür belohnen,
Dass dir der Freund, der Vater deiner Jugend,
Dass dir das heiligste Gefühl nichts galt.
Dich wird die Welt nicht tadeln, sie wird's loben,
Dass dir der Freund das meiste hat gegolten. ¹) Max kämpft einen heissen Kampf, aber er siegt.
Die Regimenter, die mir anvertraut sind,
Dem Kaiser treu hinwegzuführen, hab' ich
Gelobt; dies will ich halten oder sterben. ²) Nun versucht Gräfin Terzky ihre bewährte Redekunst. Es soll der Sohn gut machen, was der Vater verbrochen.
Ihr Vater hat den schreienden Verrat
An uns begangen, an des Fürsten Haupt
Gefrevelt, uns in Schmach gestürzt, daraus
Ergibt sich klar, was Sie, sein Sohn, thun sollen:
Gutmachen, was der Schändliche verbrochen,
Ein Beispiel aufzustellen frommer Treu',
Dass nicht der Name Piccolomini
Ein Schandlied sei, ein ew'ger Fluch im Haus
Der Wallensteiner. ³) Max schwankt. Hülfe suchend wendet er sich an Thekla, nicht an Friedlands Tochter, an die Geliebte wendet er sich; denn sie gehören nicht zu ihrem Hause.¹) Und Thekla, welche bestimmt war, den Obersten für die Sache des Vaters zu gewinnen, rät zur Pflcht. Max folgt, er thut das, wozu sein Herz ihn treibt, denn Thekla würde ihn immer lieben.
1) Wr. III, 18, 2163— 2175; 2193 f. 2) Wr. III, 20, 2243— 2245. 3) Wr. III, 21, 2287— 2295. 4) W. III, 21, 2352.


