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hoffen? ¹) Wozu sollte der Dichter eine trügerische Hoffnung erregen wollen, eine Spannung auf ein Etwas, das nicht eintritt?
Endlich spricht auch die Constellation zu Anfang von Wallensteins Tod nicht für die neue Auffassung der Episode. Durch die Astrologie sollte Wallensteins Abfall„eingeleitet und ein mutvoller Glaube an das Glück der Unternehmung in ihm erweckt werden“. ²) Schiller wollte dieses astrologische Motiv„nie recht ernsthaft anfassen“³), sondern statt der Astrologie eine anderes orakelhaftes Motiv verwenden. Auf Goethes Rat behielt er das erstere jedoch bei, erkannte aber, dass er noch ‚etwas Bedeutendes“ für dasselbe thun müsse. ⁴) Dieses Bedeutende ist die Einführung der Astrologie im Wallensteins Tod I, 1 und in der Liebesscene des dritten Aktes der Piccolomini: die Erzählung Theklas vom astrologischen Turme. ⁵5)„Der Dichter, sagt Fielitz S. 32, will dem Leser durch Theklas Mund, aber auf Senis Autorität gegründet, eine Grammatik der Astrologie geben, aus welcher derselbe später den astrologischen Vorgang selbständig deuten könne“, eine Constellation,„die weder Wal- lenstein richtig versteht, noch überhaupt bisher irgend jemand verstanden hat: die Venus, der Stern der Liebe, der Freude, der Schönheit, das glückliche Gestirn des Morgens, es ist Max! Er kommt, mit Juppiter den tückschen Kriegesgott zu bändigen, der dem Freunde Verderben und ihm selbst unerfülltes Liebesglück bedeutet.“ Ich muss gestehen, dass sich diese Deutung trotz der„Grammatik“ meinem Verständnis entzieht, dass ich es unbegreiflich finde, wenn Fielitz sie begründen will durch die Worte, mit welchen Wallenstein Max will- kommen heisst:
Sei mir willkommen Max. Stets warst du mir
Der Bringer irgend einer schönen Freude,
Und, wie das glückliche Gestirn des Morgens,
Führst du die Lebenssonne mir herauf. ⁵) Denn diese Worte enthalten ja nur eine dichterische Vergleichung. Theklas Erzählung hat den Zweck, uns wenigstens in etwa in die Geheimnisse der Astrol ogie einzuführen, damit uns der glückselige Aspekt’?) in Wallensteins Tod nicht ganz rätselhaft erscheint: wir erfahren, dass Juppiter und Venus Segenssterne sind. 8*)„Und jedes Grosse“, sagt Max,
bringt uns Juppiter
Noch diesen Tag, und Venus jedes Schöne. ⁰) Nach der bisherigen Ausführung ist, wie ich glaube, die Unhaltbarbeit der Fielitzschen Ansicht erwiesen. 10) Wir werden die Liebe zwischen Max und Thekla für das halten müssen, wofür der Dichter sie ausgibt, für eine Episode. Indes ist diese Episode durch den Grundgedanken mit der Haupthandlung verknüpft und steht in sofern in wesentlichem Zusammenhange mit ihr. Die Idee der sittlichen Freiheit, die in der Haupthandlung wiederholt geleugnet wird,
1) So Fielitz S. 30. 2) Schiller an Goethe N. 549.
3) an Goethe N. 553. 4) an Goethe N. 553. 5) Vgl. Fielitz S. 31 f. 6) P. II, 4, 755— 758. 7) W. I, 1, 9. 8) P. III, 4, 1613. 1615. 9) P. III, 4, 1642 f.
10) Uebrigens erklärt sich auch Düntzer a. a. O. 8. 201 ff. gegen diese Ansicht.


