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Nach dem, was diese Nacht geschehen ist
Darf kein Geheimnis bleiben zwischen uns. ¹) so könnte er den Sohn doch auch jetzt noch der Unschuld seines Herzens, dem eignen Urteil, anvertraun. Aber er hat das Netz erkannt, das man verderblich seinem Herzen selbst bereiten will. Haben wir nicht seine Aeusserung:
Ich konnte dich der Unschuld deines Herzens
Dem eignen Urteil ruhig anvertraun;
Doch deinem Herzen selbst seh' ich das Netz
Verqderblich jetzt bereiten.— Das Geheimnis,
Das du vor mir verbirgst, entreisst mir meines. ²) So wird gerade die Liebe des Max zu Thekla Veranlassung, dass Octavio zu seinen Ent- hüllungen schreitet. Haben wir früher nur unbestimmt, in wenigen Andeutungen, Wallen- steins verbrecherischen Plan kennen gelernt, so erfahren wir hier aufs bestimmteste die Ab- sichten des Feldherrn, und wir erfahren sie aus der besten Quelle— Octavio hat alles aus des Fürsten Munde ³). So dient also die Episode den Zwecken der Exposition. Die Ent- hüllungen würden aber Max in den Stand setzen, den Freund zu retten, sie kämen nicht zu spät, wenn nicht eben jetzt jene äusseren Umstände einträten, von denen der Dichter spricht, zunächst die Gefangennahme Sesins. Diese ist das ‚punctum saliens“,„diejenige dramatische That, auf welche die Handlung zueilt und durch die sie gelöst wird“. 4) „Das Stück“(die Piccolomini), schreibt Schiller an Körner,„enthält die Exposition in ihrer ganzen Breite, und endigt gerade da, wo der Knoten geknüpft ist“, ⁵) und er weist im Drama selbst mit klaren Worten hin auf die Bedeutung dieses Ereignisses für die Ent- wicklung der Handlung. Wallenstein will den Schweden seine Hauptstadt nicht räumen, lieber will er zurücktreten zu seinem Kaiser:
Das steht bei mir, noch jetzt, zu jeder Stunde. Doch Wrangel erwidert:
Vielleicht vor wenig Tagen noch. Heut’ nicht mehr.
— Seit der Sesin gefangen sitzt, nicht mehr. ⁰) Aber auch in den Piccolomini findet sich dieser Fingerzeig des Dichters. Octavio äussert, da ihm die Gefangennahme des Sesin gemeldet ist:
Die Sachen liegen der Entwicklung nah,
Und eh der Tag, der eben jetzt am Himmel
Verhängnisvoll heranbricht, untergeht,
Muss ein entscheidend Los gefallen sein.)
Wozu aber sollte auch der Zuschauer auf einen Retter für Wallensteins Unschuld und Treue
1) P. V, 1, 2277 f. 2) P. V, 1, 2309— 2313. 3) P. V, 1, 2415 f. 4) Vgl. an Goethe N. 663; an Körner 4, 216. 5) an Körner 4, 89. 6) W. I, 5, 391 f.
7) P. V, 2, 2593— 2596.


