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Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein
Entstehung
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Der zweite Akt zeigt Wallenstein in seiner schwankenden Gemütsverfassung. Die Liebes- scenen des dritten Aktes zeigen ihn am weitesten von der Sachlage und der ihm zuge- dachten Aufgabe, Wallenstein zu retten, entfernt. Die Liebe, meint Fi elitz ¹), hat in der Oekonomie des Dramas den Zweck, Maxens Sinn und Aufmerksamkeit von dem... Streben seiner Umgebung zu isolieren, damit er... zu spät die Gefahr merke, vor der Wallenstein steht. Er beruft sich dabei auf eine Stelle in einem Briefe Schillers⸗) an Goethe:Die Einrichtung des Ganzen erfordert es, dass sich die Liebe nicht sowohl durch Handlung als vielmehr durch ihr ruhiges Bestehen auf sich und ihre Freiheit von allen Zwecken der übrigen Handlung, welche ein unruhiges, planvolles Streben nach einem Zwecke ist, ent- gegensetzt und dadurch einen gewissen menschlichen Kreis vollendet. Goethe ant- wortet³):Die innere Einheit, die der Wallenstein haben wird, muss gefühlt werden.... Ein ideales Ganze imponiert den Menschen, wenn sie es auch nicht im einzelnen zu dechif- frieren, noch den Wert der einzelnen Teile zu schätzen wissen. Goethe fasste also die Worte des Freundes so, wie sie aufzufassen sind: Die Einrichtung des Ganzen erfordert es, dass die Liebe einen gewissen menschlichen Kreis vollendet, dass sie eine Welt für sich ausmacht, dass sie, kurz gesagt, eine Episode bildet, ein ‚Gedicht im Gedichte'. Diese Auf- fassung erweist sich als richtig durch eine Aeusserung des Dichters in einem Briefe vom 8. Dezember 1797):Es ist etwas sehr Anziehendes für mich in solchen Stoffen, welche sich von selbst isolieren und eine Welt für sich ausmachen. Ich habe diesen Umstand im Wallenstein sehr benutzt. Ibre Richtigkeit wird ferner bestätigt durch die Bemerkung Schillers5):Ich bin seit gestern endlich an den poetisch wichtigsten, bis jetzt immer auf- gesparten Teil des Wallensteins gegangen, der der Liebe gewidmet ist, und sich, seiner frei menschlichen Natur nach, von dem geschäftigen Wesen der übrigen Staatsaktion völlig trennt, ja demselben, dem Geist nach, entgegensetzt.Der 4. Akt bringt, so fährt Fielitz forté),den Umschlag zur Besserung, d. h. die Veranlassung für Octavio, seinen Sohn mit der schrecklichen Wahrheit bekannt zu machen. Nur diesen Zweck kann der ganze Akt für den Dichter haben; denn lediglich, um erschlichene Unterschriften für Wallen- stein zu gewinnen, die doch später weder von den Generalen für bindend erachtet, noch auch von Wallenstein sonderlich beachtet werden, brauchte der ganze Akt nicht in Be- wegung gesetzt zu werden. Ganz gewiss nicht! Die Bankettnacht zeigt, auf welch schwacher Stütze das Unternehmen ruht, sie motiviert den Abfall der Mehrheit der Gene- rale, denn es bedarf der Fälschung, des Betruges, ihre Unterschriften zu gewinnen. Freilich legt Wallenstein später nicht viel Gewicht auf diese, aber in der Scene des Helden mit Wrangel bilden sie die Grundlage der Verhandlung, sie bieten dem Schweden Garantie für die Offiziere. Daher auch die wiederholte, eindringliche Forderung Wallensteins, Illo möge ihm die Verschreibung der Generale verschaffen! Und wenn auch Octavio sagt:

1) S. 28. 2) Briefwechsel N. 393. 3) Briefwechsel N. 394. 4) an Goethe N. 391. 5) an Goethe N. 543. 6) S. 28.