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Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein
Entstehung
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ebenso ein grosses Anrecht auf die Heldenrolle des Stückes habe, wie Wallenstein, und er hatte Mühe, das überströmende tragische Interesse für Max einzudämmen. Allerdings sollte ur- sprünglich das Stück bloss, Piccolomini' heissen, wodurch ein Piccolomini als Held bezeichnet worden wäre, aber jedenfalls nicht Max ¹), sondern Octavio, Wallensteins geheimer Gegner ²). Die Piccolomini nannte es Schiller aber erst nach der Ausarbeitung der Liebesscenen). Und wenn der Dichter schreibt4):Was ich nun am meisten zu fürchten habe, ist, dass das über- wiegende menschliche Interesse dieser grossen Episode an der schon feststehenden ausge- führten Handlung leicht etwas verrücken möchte: denn ihrer Natur nach gebührt ihr die Herrschaft, und je mehr mir die Ausführung derselben gelingen sollte, desto mehr möchte die übrige Handlung dabei ins Gedränge kommen. Denn es ist weit schwerer, ein Interesse für das Gefühl, als eins für den Verstand aufzugeben, so sagen diese Worte doch nicht, dass Schiller das tragische Interesse für Max habe eindämmen müssen, vielmehr spricht der Dichter von der Episode als einem Ganzen, er wünscht und erstrebt eine glückliche Aus- führung derselben, aber er befürchtet, dass durch sie die übrige Handlung ins Gedränge komme, dass sie eine Aenderung erfahren müsse.5) Ich sollte meinen, das sei das ge- rade Gegenteil! Allerdings teilt Schiller Goethe mit é):Den Hauptcharakter sowie die meisten Nebencharaktere traktiere ich wirklich bis jetzt mit der reinen Liebe des Künstlers; bloss für den nächsten nach dem Hauptcharakter, den jungen Piccolomini, bin ich durch meine eigne Zuneigung interessiert, wobei das Ganze übrigens eher gewinnen als verlieren soll, und in einem Briefe an Körner heisst es?):Zwei Figuren ausgenommen, an die mich Neigung fesselt, behandle ich alle übrigen, und vorzüglich den Hauptcharakter, bloss mit der reinen Liebe des Künstlers. Nun aber vergleiche man die Erwiderung Schillers auf die Bemerkung Körnerss):Max ist doch eigentlich(in den Piccolomini) der Mittel- punkt des Ganzen. Alles um ihn her soll nur der Schauplatz sein, auf dem sich seine hohe, sittliche Natur verherrlicht....in deinem Urteil über Wallenstein glaubte ich noch etwas zu sehr Stoffartiges zu bemerken, weil du mir auf den Max Piccolomini ein zu grosses Gewicht legtest, ja voraussetztest, dass er in den Piccolomini die Haupt- person vorstellen sollte.)

Indes sollen ja alle Elemente der Handlung dem Zwecke dienstbar gemacht sein ¹⁰) das Verhängnis zu legen in die Verspätung des Kämpfers für das Gute. In den Picco- lomini ist..... das Thema: seine(des Max) Erkenntnis der Pläne Wallensteins und der Gegenpläne Octavios. Kurz vor seinem Auftreten stellt der erste Akt das specielle Thema, der Piccolomini auf: Octavio will seinen Sohn nicht ins Geheimnis ziehn, denn, sagt er,

Unwissenheit allein kann ihm die Geistesfreiheit Bewahren, die den Herzog sicher macht.

1) Fielitz p. 100.

2) So auch Düntzer, H.: Schillers W. 3. Aufl. Lpz. 1881. S. 66 Anm.

3) an Goethe N. 549. 553. 551.

4) an Goethe N. 543. 5) Aehnlich Düntzer a. a. O. S. 81 Anm.

6) Briefwechsel N. 249. 7) Briefwechsel 3. S. 396.

8) Briefwechsel 4. S. 164. 9) Briefwechsel 4. S. 182. 10) Fielitz a. a. O. S. 24.