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Wir sollen Wallenstein nicht verwechseln mit einem IIlo, der fertig ist, spricht man von Treue ihm und von Gewissen.¹) Aber sein Ehrgeiz ist übermächtig. Die Gräfin Terzky erscheint, Wallenstein wünscht ihre Entfernung. Doch als sie auf seine Wünsche eingeht, als sie, um die bessere Regung seines Herzens zu ersticken, die That eine That der Not- wehr ²) nennt, da kann er Max nicht sehn, ³) die Schuld umstrickt ihn mit unlösbaren Ban- den, mit dem Bewusstsein derselben vermag er dem Reinen nicht gegenüberzutreten. Noch kämpft er an gegen das Böse. Nicht Opfer, nicht Gefahren will er scheuen, den letzten Schritt, den äussersten zu meiden. Wenn eine Wahl noch wäre— noch ein milderer Ausweg sich fände— jetzt noch will ich ihn Erwählen und das Aeusserste vermeiden. ⁴). Den einen Weg, der ihn retten kann, vermag er nicht zu gehn, sein Ehrgeiz lässt es nicht zu eh' ich sinke in die Nichtigkeit, So klein aufhöre, der so gross begonnen, Eh' mich die Welt mit jenen Elenden Verwechselt, die der Tag erschafft und stürzt, Eh spreche Welt und Nachwelt meinen Namen Mit Abscheu aus, und Friedland sei die Losung Für jede fluchenswerte That. ⁵) Und wenn er, wie Makbeth den Zuflüsterungen der Lady, der Stimme ſder Gräfin weicht, so ist es doch der Ehrgeiz, der ihn zum Verbrechen treibt, so ist es doch trotz des äussern Anstosses die„innere Schwerkraft des Charakters“, die ihn dem Abgrunde zuführt. Wenn Fielitz es aber mit den bestimmtesten Worten ausspricht, dass Max, falls er rechtzeitig zu Worte gekommen wäre, Wallenstein gerettet, vor der That bewahrt haben würde, so steht dieses Wenn zunächst ausserhalb des Dramas. Ist aber eine Bestimmung des Helden durch Max, den er wie einen Sohn liebt, von dessen Jugen dé) er mit einer gewissen Geringschätzung spricht, auch nur wahrscheinlich? Freilich klagt Max: Ol wärst du wahr gewesen und gerade, Nie kam es dahin, alles stünde anders! Er hätte nicht das Schreckliche gethan, Die Guten hätten Kraft bei ihm behalten, Nicht in der Schlechten Garn wär' er gefallen.*) Aber das ist eben die Ansicht des schwärmerischen Verehrers des Helden, die Aeusserung entspringt, wie so manches Andere, der Absicht des Dichters, Wallenstein dem Herzen mensch- lich zu nähern. „In den Piccolomini ist Max der Held!“, ³) sagt Fielitz.„Schiller fühlte, dass eigentlich Max
1) Wr. I, 7, 452. 2) WrI. 1, 7, 450.
3) Man beachte die völlige Uebereinstimmung in W. I, 7, 475 und III, 3, 1423(1425). 4) W. I, 7, 482— 484. 5) W. 1, 7, 531— 537. 6) Vgl. WI. II, 2, 779; III, 4, 1499.
7) WI. II, 7, 1193— 1197. 8) a. a. O. S. 24. 39.


