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Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein
Entstehung
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Dichter musste vielmehr die That nicht durch einen bösen Willen, sondern durch den Zwang der Umstände herbeiführen. Wallenstein ist entschlossen zum Verrate, aber entschlossen nur für den Fall, dass man das Aeusserste über ihn beschliesst, dass der ersten Absetzung eine zweite, schimpflichere folgt. Wie nachdrücklich sagt er

Nachgeben aber werd' ich nicht. Ich nicht!

Absetzen sollen sie mich auch nicht Darauf

Verlasst euch. ¹) Anderseits aber entgegnet er auf IIlos Frage:

Willst du, ferner zögernd, Das Aeusserste erwarten? Das geziemt sich,

Eh' man das Aeusserste beschliesst. ²)

Daher auch ferner die Worte: O! sie zwingen mich, sie stossen

Gewaltsam, wider meinen Willen, mich hinein. ³) Man sieht, es schmerzt ihn, wenn er zum Aeussersten schreiten müsste; nur die Umstände können ihn vermögen zum letzten Schritte. Ein Schwanken aber zeigt sich in der Exposi- tion nicht und darf sich in ihr nicht zeigen. Der Seelenkampf, der Kampf der Treue und des Verrates, gehört in die eigentliche Tragödie. Aber auch hier kann ich in Wallenstein kein hülfloses Kind' erkennen, das fremdes Rates und fremder Hülfe bedarf.4) Wrangel ist an- wesend, Illo und Terzky drängen den Helden, ihn zu hören. Aber nicht ihren Worten folgt Wallenstein, sondern der eignen Entschliessung im Monologe. Alle seine Worte in WT I, 3, 105 133 sind Selbstgespräch, wie namentlich die erste scenische Bemerkung zeigt Wallenstein(in Nachsinnen verloren) mit Ausnahme der Frage nach Max. Und als er sich später der Gegenwart beider sozusagen erinnert, als sie ihn zu bereden suchen, den schwedischen Gesandten sofort zu empfangen, da will er zuerst sein Gemüt sammeln, denn er ist es nicht gewohnt, dass ihn der Zufall blind waltend, finster herrschend mit sich führe. Wenn er aber am Ende für Wrangel nur die Entgegnung hat:

Ich will den Vorschlag in Erwägung ziehn.) so hat er eben erkannt, dass er mit dem Abfall eine neue Dienstbarkeit antritt, er mag nicht von der Schweden Gnade leben. Neben dem Ehrgeiz spricht aber auch die Treue in

seiner Brust. Die Treue, sag ich euch, Ist jedem Menschen wie der nächste Blutsfreund, Als ihren Rächer fühlt er sich geboren. ¹)

1) P. II, 6, 1000 1002. 2) P. II, 6, 925 927. 3) P. II, 2, 702 f.

4) Für den Charakter des Helden ist beachtenswert eine Aeusserung des Dichters in der bereits angeführten Anzeige der Piccolomini von Goethe und Schiller. Letzterer lobt die Darstellung des Schau- spielers Graff, tadelt es aber, dass dieser zuweilen einezu grosse Weichheit in seinen Ausdruck legte, die dem männlichen Geist des Helden nicht ganz entsprach.

5) WI. I, 5, 403. 6) WT. I, 6, 424426.