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Herrschaft gebühre.1) Und doch gab gerade diese Episode der Kritik zu scharfem Tadel Anlass.
Tieck²) nennt sie eben so unbefriedigend als überflüssig und erkennt ihr nur Wert zu als Folie der Eigensucht Wallensteins und des Realismus, der die Dichtung tragen sollte, als Gegenstück zu dem verbrecherischen Treiben des Helden. Hillebrand) stimmt ihm bei, er findet in der Episode den Beweis, wie wenig dem Dichter das Gesetz der dramatischen Einheit und der concentrierten Handlung gegenwärtig war. Gervinus") urteilt, dass zwar der Gegensatz der Liebesepisode gegen die Staatsaktion des Ganzen, der reinen mensch- lichen Natur gegen die verstellte der diplomatischen und politischen Welt, der Pflicht gegen die Leidenschaft, eine ästhetische Forderung sei, welcher der Dichter, der Muse gehorsam, sich fügen musste; er bezeichnet es aber als ganz eigene Verblendung, dass Schiller ihr die Herrschaft zuerkannt habe. A. W. von Schlegel) lobt die Episode, weil sie zu den rührendsten Auftritten Anlass gebe,) während Vilm ar erklärt,*) die Partie sei völlig ver- fehlt und zerstöre geradezu die Wirkung des Dramas zum Teil. Hoffmeister zählt die Episode zwar ihrem Gehalte nach zu dem Herrlichsten, was je ein in die Seelenschönheit Eingeweihter dargestellt habe, fällt jedoch vom dramatischen Standpunkte ein ungünstiges Urteil über sie. ²) Nach Viehoffe) verband der Dichter einen künstlerischen Zweck mit derselben.„Das ganze volle Menschentum, Realismus und Idealismus in wechselseitiger Ergänzung, war Schillers Ziel im Freundschaftsbunde mit Goethe. Wallenstein, der grosse Realist, und Max, der edle Idealist, vermochten sich nicht festzuhalten und ihre Naturen auszutauschen, und darin war ihr tragisches Geschick begründet. Schiller hat, wie Car- riere richtig bemerkt, in dem Untergange der beiden Einseitigkeiten die Idee des Ganzen ihren Triumph feiern lassen.“ Eine ganz neue Ansicht hat Fielitz ¹⁰) aufgestellt. Nach dieser Ansicht hat die Episode nicht nur den Charakter einer Episode, sondern sie erfüllt auch einen praktisch dramatischen Zweck.„Schiller will Wallensteins Schuld durch die Teilnahme des Schicksals daran mildern. Daber stellt er ihn weniger als selbsthandelnd dar, sondern als einen Gegenstand, um den Gut und Böse sich streiten. Also— folgert der Dichter— muss sein Charakter neben dem Ehrgeize einen hohen Grad von Unentschieden- heit besitzen, auf dass jene streitenden Mächte Gelegenheit haben, mit ihm ihr Spiel zu treiben. Der feste, thatendurstige Mann wird zum schwankenden, unschlüssigen, äusseren
1) Briefwechsel mit Goethe. N. 543. 2) Vgl. Hillebrand a. a. O. S. 411.
3) a. a. O. 4) Gervinus a. a. O. S. 482.
5) Ueber dramatische Kunst und Litteratur. 32². Heidelberg 1817 8. 410.
6) Vgl. Madame de Staél, De l'Allemagne. Paris 1868. p. 208.(Schiller) a peint Max Piccolo- mini et Thécla comme des créatures célestes, qui traversent tous les orages des passions politiques en conservant dans leur àâme l'amour et la vérité..... Ces deux étres apparaissent au milieu des fureurs de l'ambition comme des prédestinés; ce sont de touchantes victimes, que le ciel s'est choisies, et rien n'est beau comme le contraste du dévouement le plus pur avec les passions des hommes, acharnés sur cette terre comme sur leur unique partage.“
7) a. a. O. S. 484. 8) Vgl. Viehoff a. a. O.
9) a. a. O. 8. 114. 10) S. 22 ff.


