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holter Warnungsruf:„Vertrau' dich diesen Schweden nicht!“ ¹) Die Auslegung der Constel- lation ist also Wallensteins Sache. Wie sehr dieser aber auch von der Wahrheit seiner Wissenschaft überzeugt ist, so fühlt er sich doch frei in seinem Wollen. Denn wiewohl. endlich die Sterne für ihn sprechen, schreitet er nicht zu schneller That. Treue und Verrat kämpfen in seiner Brust, seine Freiheit ist unbehindert. Schiller blieb also treu dem Worte, dass„eine blinde Unterwürfigkeit unter das Schicksal immer demütigend und kränkend für freie, sich selbst bestimmende Wesen“ sei.2) Und gerade in Beziehung auf Wallenstein schrieb er an Körner:„Mich hat er(Aristoteles) mit meinem Wallenstein keineswegs unzu- friedener gemacht. Ich fühle, dass ich ihm, den unvertilgbaren Unterschied der neuen von der alten Tragödie abgerechnet, in allen wesentlichen Forderungen Genüge geleistet habe und leisten werde“ ³) und später:„Aber freilich ist es keine griechische Tragödie und kann keine sein; wie überhaupt das Zeitalter, wenn ich auch eine daraus hätte machen können, es mir nicht gedankt hätte“. ¹) Auch in der Besprechung der Piccolomini von Schiller und Goethe wird das Schicksal nicht erwähnt.„Wollte man“, sagt Goethe,„das Objekt des ganzen Gedichtes mit wenig Worten aussprechen, so würde es sein: Die Darstellung einer phantas- tischen Existenz, welche durch ein ausserordentliches Individuum und unter Vergünstigung eines ausserordentlichen Zeitmoments unnatürlich und augenblicklich gegründet wird; aber durch ihren notwendigen Widerspruch mit der gemeinen Wirklichkeit des Lebens und mit der Rechtlichkeit der menschlichen Natur scheitert und samt allem, was an ihr befestigt ist, zu Grunde geht“. ²) Und wenn nun Schiller an Körner schreibt:„Du kannst Dich darin (in der Anzeige von Wallensteins Tod) nach der Anzeige der Piccolomini.. die Goethe und ich in Gemeinschaft, obgleich etwas eilfertig aufgesetzt, richten“, 6).... so darf man daraus doch nicht auf die Unrichtigkeit jener Besprechung schliessen und behaupten, dass dem Aufsatze kein allzu grosser Wert für die Auffassung des Dramas beizulegen sei.*)8) Mag aber auch die Idee der Freiheit menschlichen Wollens in der Haupthandlung scheinbar geleugnet werden, so gelangt sie zum vollen Ausdrucke in der Episode Max und Thekla. Schiller selbst bezeichnet diesen Teil des Dramas als eine solche, nennt ihn aber nichtsdestoweniger den poetisch wichtigsten Teil?) desselben, dem seiner Natur nach die
1) WT. V, 5, 3599 fl. 2) Ueber die tragische Kunst. S. 26.
3) a. a. O. 4. S. 32. 4) a. a. O. 4. S. 68.
5) Maltzahn, W. von:„Wallenstein von Schiller.“(Stuttgart 1861) S. 71 ff. Vgl. Fielitz, W. Studien zu Schillers Dramen. Leipzig bei Teubner 1876. S. 100.
6) a. a. O. 4. S. 142. 7) Fielitz a. a. O.
8) Rud. von Gottschall hat also recht, wenn er sagt:„Man hat den„Wallenstein“ eine Schick- salstragödie genannt! Er ist es im Sinne der modernen Welt, im Sinne der Verse:
In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne!
(Die deutsche Nationallitteratur des neunzehnten Jahrhunderts. 5. Auflage. 1. Bd. Breslau 1881. S. 78.)
9) Vgl. an Goethe N. 291.„Ich finde,... dass der ganze cardo rei in der Kunst liegt, eine poetische Fabel zu erfinden. Der Neuere schlägt sich mühselig und ängstlich mit Zufälligkeiten und Nebendingen herum, und über dem Bestreben, der Wirklichkeit recht nahe zu kommen, beladet er sich mit dem Leeren und Unbedeutenden, und darüber läuft er Gefahr, die tiefliegende Wahrheit zu verlieren, worin eigentlich alles Poetische liegt.“


