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Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein
Entstehung
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Gesetz der herben Not, der kein Vertrauen missbraucht, wenn er sein Amt missbraucht. ¹) Wie begründet erscheint das Wort der Gräfin Terzky:

Die haben unrecht, die dich fürchteten

Und doch die Macht dir in die Hände gaben ²). 1

Der Held hat der Versuchung nicht widerstanden, er hat sich ergötzt an dem Gaukelbilde der königlichen Hoffnung, er hat sich die Wege offen gehalten, die Mittel gespart auf unge- wisse Erfüllung hin. Nun verklagt ihn der Doppelsinn des Lebens; was planlos ist geschehen, werden sie weitsehend, planvoll ihm zusammenknüpfen.³²) So hat er selbst das Geschick heraufbeschworen, das ihn zu vernichten droht.

Bahnlos liegt's hinter mir, und eine Mauer

Aus meinen eignen Werken baut sich auf,

Die mir die Umkehr türmend hemmt) Sein Ehrgeiz sieht keinen Ausweg, die Umstände drängen zur That. Der Hof ist miss- trauisch, seine Freunde in Wien haben ihn verlassen. 5) Nun wird Sesin, der Unterhändler, ergriffen, alle Pläne Wallensteins werden kund, Wrangel ist da, die Sterne raten zu schneller That, Wallenstein sieht sich in die Notwendigkeit versetzt zu handeln.

Zu meiner Sicherheit, aus Notwehr thu ich

Den harten Schritt, den mein Bewusstsein tadelt). Wir sehen, der Dichter hat alles gethan, um unsre Teilnahme für den Helden zu wecken, der Gegenstand unsers Mitleids gehört zu unserer Gattung im ganzen Sinne dieses Worts); er hat es ferner verstanden, die That zu einer mitleidswürdigen zu machen, sie erscheinen zu lassen nicht als eine Folge bösen Willens, sondern herbeigeführtdurch den Zwang der Um- stände*)die Umstände thun eigentlich alles zur Krise. ⁵5) So wäre also der Held gezwungen zu der verbrecherischen That, der Dichter wäre dem Grundsatze untreu geworden, den er für die Tragödie aufstellte, dass dieHandlung, an der wir Teil nehmen sollen, eine mo- ralische, d. i. unter dem Gebiet der Freiheit begriffen sein müsse?) Mit nichten! Der Held könnte die That unvollführt lassen; nicht frei von Schuld könnte er sich frei halten von dem Verbrechen. Wiederholt zeigt der Dichter den Weg, auf dem Wallen- stein dem Frevel entrinnen könnte. Man höre die Worte Octavios:

Noch hat der Fürst sein Schicksal in der Hand Er lasse das Verbrechen unvollführt,

1) W. I, 7, 570. 572 574. 2) W. I, 7, 598 f. 3) W. 1, 4, 143 145; 161 f. 4) Wr. I, 4, 156 158. 5) P. II, 2, 685. 6) Wr. I, 5, 269 f.

7) Schillers sämtliche Schriften. Von Karl Goedeke. 10. Stuttgart 1871. Ueber die tragische Kunst 8. 34, 25.

8) Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in den Jahren 1794 bis 1805. 12. Stuttgart und Augs- burg 1856. N. 370.(...und dies wird, wie ich denke, den tragischen Eindruck sehr erhöhen.)

9) Ueber die tragische Kunst. S§. 34.