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schmacklosen und pedantischen Verwandschaft ist, an die man durch ihre incurable Trockenheit erinnert wird.“ Schiller hatte nach einem unaesthe- tischen Mittel gegriffen, verwarf aber,(wie der Brief vom 11. December 1798 zeigt), dieses unpassende Hilfsmittel. Da aber, wie aus dem Briefwechsel mit Körner hervorgeht, nach Schillers eigenen Worten der vorliegende Wallensteinstoff poetisch„im hohen Grade ungeschmeidig“ war,„Kleine und viele Mittel“, zerstreute Handlungen,„eine für den Vortheil des Poeten viel zu kalte trockene Zweckmässigkeit“ hatte und der ganze Wallenstein'sche Entwurf„am Ende nur durch eine Ungeschicklichkeit“,(wie sich Schiller ausdrückt), mislingt, so hatte der Dichter lange und schwer zu arbeiten, um diese unpoetische Trockenheit zu überwinden, dem Stücke den Charakter einer Haupt- und Staatsaction zu nehmen, und durch eine kunstreiche Führung der Handlung“ dasselbe„zu einer schönen Tragödie“ zu machen. Zu einer schönen Tragödie aber wurde Wallenstein nicht blos dadurch dass, wie uns der Prolog sagt, Wallenstein dem Herzen, menschlich näher gebracht. wurde, was vor allem durch Einführung von Max und Thekla geschah, sondern besonders durch den Schicksalsglauben. Es brauchte eine Zeit lang bis Schiller die Bedenken gegen Einführung des astrologischen Motives über- wand. Er wollte(man vergleiche Schillers Brief an Goethe vom 4. De- cember 1798) anfänglich das astrologische Motiv nur in so weit ge- brauchen, als dadurch„der Abfall Wallensteins eingeleitet werden und ein muthvoller Glaube an das Glück der Unternehmung in ihm erweckt werden soll“. Noch spricht Schiller davon, dass er„durch das Wunderbare dem Wallenstein nur„einen augenblicklichen Schwung“ geben wolle, ja er richtet an Goethe die Frage, ob die von ihm gebrauchte„Fratze“ einen ge- wissen tragischen Gehali habe und nicht blos als lächerlich auffalle. Aber Goethe sprach sich in dem Briefe vom 8. December 1798 so vorteilhaft über den aesthetischen Wert des astrologischen Glaubens aus, und empfahl denselben so sehr, dass Schiller in seinem Briefe vom 11. December 1798 an Goethe folgendermassen schreibt:„Ihre Bemerkungen sind vollkommen richtig und ihre Gründe überzeugend. Ich weiss nicht welcher böse Genius über mir gewaltet, dass ich das astrologische Motiv im Wallenstein nie recht ernsthaft auffassen wollte, da doch eigentlich meine Natur die Sachen lieber von der ernsthaften als von der leichten Seite nimmt. „Ich sehe aber jetzt vollkommen ein, dass ich noch etwas Bedeu- tendes für diese Materie thun muss und es wird auch wohl. gehen, ob es gleich die Arbeit wieder verlängert“. Das Bedeutende, was nun- mehr Schiller auf Goethes Anregung tat, war die Einführung der Schick- salsidee in der von uns besprochenen Weise. In den Piccolomini tritt diese Idee noch weniger hervor, desto mehr aber in Wallensteins Tod, dem Meisterstücke der Trilogie. Dies deutet Goethe in seinem Briefe vom 9. März 1799 ziemlich unverholen an, wenn er schreibt:„Wenn sich der Zuschauer bei den Piccolominis aus einem gewissen künstlichen, und hie und da will- kührlich scheinenden Gewebe nicht gleich herausfinden, mit sich und an- deren nicht völlig eins werden kann, so gehen diese neuen Acte nur schon gleichsam als naturnotwendig vor sich hin. Die Welt ist gegeben, in der das alles geschieht, die Gesetze sind aufgestellt, nach denen man urteilt, der Strom des Interesses, der Leidenschaft findet sein Bette schon ge- graben, in dem er hinrollen kann“. Man sieht, nicht aus den Charakteren ergibt sich die Katastrophe, sondern der Strom des dramatischen Geschehens findet sein Bette schon gegraben vor, nämlich durch das determinirende Schicksal.


